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Party zum Zehnjährigen! Am 19. Oktober hat die Tagesberatung des Sub ihr Jubiläum mit Stadt und Szene gefeiert. 1997 hat die Landeshauptstadt ihrem Schwulenzentrum Finanzmittel für die erste hauptamtliche Beratungsstelle Bayerns bewilligt. Seitdem arbeitet die psychosoziale Beratungsstelle des Schwulen Kommunikations- und Kulturzentrums daran, die Lebensqualität schwuler Männer in München zu verbessern. Ein Bericht zur Feier im Sub.
Insgesamt 80 Gäste drängten sich an diesem Freitag ins Schwulenzentrum in der Müllerstraße 43, um mit ihren Freunden und Kollegen, Vertretern der Stadt und Förderern der Beratungsstelle und natürlich den Sub-Mitgliedern „Zehn Jahre Psychosoziale Beratungsstelle“ zu feiern. Zum VIP-Empfang ab 18.30 Uhr hatten zahlreiche Redner etwas zu sagen. Es sprachen: Sub-Vorstand Uwe Hagenberg, in Vertretung des Oberbürgermeisters Thomas Niederbühl, Andreas Unterforsthuber von der Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen, heute Abendberater des Sub, der die Gründung der Tagesberatung einst sehr unterstützt hat, Manfred Edinger, guter Geist des Sub, Ex-Berater und Gründer der ehrenamtlichen wie der hauptamtlichen Beratung vor 20 bzw. zehn Jahren sowie Christopher Knoll, Mann der ersten Stunde, der die Sub-Beratungsstelle heute zusammen mit Ulrich Fuchshuber leitet. Knoll dankte in seiner Rede allen anwesenden Gästen, Förderern, Freunden und Helfern der Beratungsstelle, die sich auch mit den dunklen Seiten des Schwulseins in unserer Stadt beschäftigt. "Da ist der 40-jährige Marketingleiter eines großen Hotels, der zwei Leben lebt, ein öffentliches und ein privates, ein großes und ein kleines. Aus dem Gefühl, dass sein Schwulsein etwas Zweitklassiges ist, vertraut er weder seiner Männlichkeit noch seiner Attraktivität. Dieses Selbstwertdefizit versucht er durch tadellose, unermüdliche Arbeitsleistung zu kompensieren. Der Arzt, den er wegen seiner Magenschmerzen und Schlafprobleme aufsucht, schickt ihn dann wegen eines beginnenden Burn-Out-Syndroms zu uns." Ihm und vielen anderen hat die Beratungsstelle in den vergangenen Jahren helfen können und dafür ist Knoll, der dem Sub seit 19 Jahren die Stange hält, auch dankbar. "In der Beratungsstelle des Sub zu arbeiten heißt nämlich auch, zehn Jahre das Gefühl haben zu dürfen, schwulen Männern auf ihrem Weg eine entscheidende Hilfe geben zu können und zehn Jahre etwas tun zu dürfen, von dem man auch als Mensch profitiert." Angefangen hat alles mit Einzel- und Paarberatung und dem Anti-Gewalt-Projekt für schwule Gewaltopfer. Schnell kamen angeleitete Gruppen hinzu wie Selbsterfahrungs-, Eltern- und Coming-Out-Gruppen, später das Patenprojekt für schwule Senioren, zuletzt eine interkulturelle Kochgruppe für schwule und bisexuelle Migranten. Das Angebot der psychosozialen Beratungsstelle im Sub sucht in der Bundesrepublik seinesgleichen. 1997 ins Leben gerufen, beschäftigt die Einrichtung des Münchner Schwulenzentrums inzwischen fünf hauptamtliche Mitarbeiter auf zweieinhalb Stellen: Sozialpädagogen, Psychologen und einen Sozialökonomen. Beratend tätig war das Sub seit seiner Gründung am 4. September 1986 wie gesagt schon davor – allerdings ehrenamtlich. Den Anstoß, in München eine Beratung eigens für schwule Männer zu gründen, gab eine Umfrage in Münchens psychosozialen Beratungsstellen. Die hatte nämlich ergeben, dass sich die Mitarbeiter dieser Einrichtungen gar nicht vorstellen konnten, mit schwulen Männern und lesbischen Frauen zusammenzuarbeiten. Tatsächlich haben die Schwulen die herkömmlichen Beratungsstellen auch gar nicht genutzt, weil sie sich dort nicht aufgehoben fühlten und zudem Diskriminierungen fürchteten. Andererseits haben damals schon Studien gezeigt, dass Schwule mindestens genauso viele Probleme und Beratungsbedarf haben wie Heterosexuelle. Unter den ersten Gratulanten waren die Philhomoniker, die im Anschluss an die Wortbeiträge mit Liedern über Probleme am Arbeitsplatz, Wellness-Kliniken und München der Beratungsstelle all ihre guten Wünsche mit auf den Weg gaben. Entgegen der landläufigen Meinung ist es übrigens nicht das Coming-out, das den Schwerpunkt der Beratungsarbeit im Sub ausmacht. Die Themen, mit denen schwule Männer in die Beratungsstelle kommen, sind so vielfältig, wie das schwule Leben selbst: Trennung und Einsamkeit, Ängste und Lüste, Schwierigkeiten am Arbeitsplatz und in der Familie, Beziehungskrisen, Süchte aller Art, rechtliche Probleme, Gewalterfahrungen, Lebenspartnerschaftsgesetz, Asylantrag, Morddrohung, gesundheitliche Krisen beschäftigen die Klienten, die in der Pestalozzistraße 6 Gehör finden. Und natürlich das Coming-out. Nach dem Auftritt der Philhomoniker baten die Gastgeber zum Buffet, das das Café Regenbogen und Sub-Vorstand Uwe Hagenberg gestiftet hatten. Die Party mit Easy-Listening und einem charmanten Get-together klang erst gegen ein Uhr morgens mit einem heftigen Tusch aus. Der Sub-Beratungsstelle zum 10-Jährigen alles Gute! |