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Der Glockenbachmaibaum wächst und wächst. 2010 kommen wieder zwei neue Tafeln hinzu. Weil der Baum für dann insgesamt sieben Sprossen zu klein ist, stellt Münchens Schwulenzentrum Sub am 1. Mai einen neuen, höheren Stamm am Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz auf. Das Stangerl ist ein Geschenk von Bodenmais’ schwulem Bürgermeister Michael Adam (SPD). Die neuen Motive gestalten der Transgender-Verein TransMann und Diversity, der Dachverband Münchens LesBiSchwuler Jugendgruppen.
Die Tradition lebt! Auch in diesem Jahr feiert das Schwule Kommunikations- und Kulturzentrum Münchens, das Sub, wieder ein Maibaumfest mit dem ganzen Viertel. Nach zwei Jahren wird der alte Baum am 1. Mai durch einen neuen, höheren ersetzt. Zwei neue Tafeln kommen 2010 hinzu, gestaltet vom Transgender-Verein TransMann (Im Bild: TransMann-Vorstand Henrik Haas) und von Diversity, dem Dachverband der LesBiSchwulen Jugendgruppen Münchens. Für die siebte Sprosse, die damit entsteht, wäre an dem zehn Meter hohen Stamm kein Platz mehr. Deshalb stellt Münchens Schwulenzentrum in diesem Jahr einen neuen Baum auf, der zwölf Meter misst. Gestiftet hat ihn Bodenmais’ Bürgermeister Michael Adam, der im vergangenen Jahr mit seiner Wahl für erheblichen Presserummel gesorgt hatte. Adam ist SPD-Politiker, erst 24 Jahre alt, evangelisch und schwul. Er nimmt am Maibaumfest auf dem Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz teil. Zwischen Bodenmais und München vermittelt hat Andreas Unterforsthuber von der städtischen Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen. Der Glockenbachmaibaum hat inzwischen eine gewisse Tradition im Viertel", sagt Sub-Geschäftsführer Christian Schultze. "Neben den Lesben und Schwulen haben hier auch die Transgender und die jungen Homosexuellen ihren Platz. Das wollen wir 2010 demonstrieren." Neben bayerisch-schräger Volks- und Weltmusik wird es in diesem Jahr auch wieder einen politischen Frühschoppen geben. Bernd Müller, Chefredakteur des Szenemagazins Leo, führt ab elf Uhr durch den Tag. Das Programm gibt's hier zum Download.

Beim Frühschoppen debattiert Michael Adam selbstverständlich mit. Ihre Teilnahme zugesagt haben aus dem Stadtrat Michael Mattar, Fraktionsvorsitzender der FDP, und CSU-Fraktionschef Josef Schmid sowie SPD-Stadträtin Irene Schmitt, Lydia Dietrich, GRÜNE, und Thomas Niederbühl, Stadtrat der Rosa Liste. Für DIE LINKE kommt Mario Simeunovic, Mitglied des Landesvorstands der Partei in Bayern. Die Tafeln werden gegen Mittag enthüllt. Die Bewirtung der Gäste übernehmen wie im Vorjahr die Wirte vom Selig, dem Fraunhofer und der Deutschen Eiche. Der Transgender-Verein TransMann, der 2010 eine der beiden neuen Maibaumtafeln beisteuert, setzt sich für die Belange von Menschen ein, die im falschen Körper geboren wurden, speziell für Männer, die als Frauen aufgewachsen sind. Der Selbsthilfeverein berät, begleitet und unterstützt die Betroffenen, wird aber auch gesellschaftspolitisch aktiv. "Für uns ist das Maibaumfest eine wundervolle Gelegenheit zu dokumentieren, dass auch wir Teil des Viertels und der lesbisch-schwulen Szene sind", sagt Vorstand Henrik Haas, der das Motiv mit den anderen Mitgliedern des Vereins gestaltet hat. Im Mittelpunkt der TransMann-Tafel steht das Transgender-Symbol, das die Zeichen für Mann (Kreis mit nach oben gerichtetem Pfeil) und Frau (Kreis mit nach unten gerichtetem Kreuz) kombiniert. Ein tanzendes Transgender-Paar hält es in seinen Händen. Auch Diversity, der Dachverband Münchens LesBiSchwuler Jugendgruppen, wird seine Sache zum zentralen Bildelement seiner Tafel machen. "Wir wollen gerade hier im Viertel, aber auch in der Stadt als junge Lesben und Schwule noch sichtbarer werden", sagt Kai Gerstenberger, der für Diversity aktiv ist. Mit einem Kollegen gestaltet er auf der Tafel gleich zwei Motive, Vorder- und Rückseite sind verschieden (Bild). "Wir rücken das Symbol unseres Vereins in den Vordergrund, den Kleinbuchstaben ‚d’, der wie ein Schiff über einen weiß-blau-gerauteten Fluß dahingleitet. Auf der Rückseite soll der Name unseres Vereins stehen." Diversity setzt sich für die Belange junger Homosexueller in München ein und betreibt seit Mitte 2007 ein eigenes Jugendzentrum in der Blumenstraße. Den ersten Maibaum hat das Münchner Schwulenzentrum vor drei Jahren am Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz aufgestellt. Das Sub tritt als Trägerverein auf, die Tafeln am Stamm gestalten jedes Jahr andere Vereine, Gruppen, Institutionen, aber auch Einzelpersonen des Viertels. !Wir wollen versuchen, die Vielfalt im Stadtbezirk zu zeigen, der beileibe nicht nur von der traditionell starken lesbisch-schwulen Szene lebt!, sagt Geschäftsführer Schultze. So waren im vergangenen Jahr das Fraunhofer-Wirtshaus, das Nord Süd Forum sowie das Kinder- und Jugendfreizeitzentrum Kunterbunt aufgerufen, Motive für den Baum zu entwerfen. Sie hatten dafür eigens Künstler verpflichtet. Im Jahr davor hatte das Sub selbst drei Sprossen beigetragen. Jahr für Jahr lädt das Schwulenzentrum das ganze Stadtviertel zu einem großen Maibaumfest ein, um das nachbarschaftliche Miteinander zu fördern. Das soll 2011 so weitergehen; erste Gespräche mit potenziellen Mitgestaltern laufen. |