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Es war keine rauschende Party, aber ein fulminanter Festakt. Im Saal des Münchner Stadtmuseums hat die Abendberatung vergangenen Donnerstag ihr 20-jähriges Bestehen gefeiert. Gekommen sind über 150 Gäste - darunter auch Promis. Nichts klingt öder. Ein Festakt mit Rednern, Mineralwasser und informativen Charts zum 20-jährigen Jubiläum eines Sozialvereins. Allerdings ist nicht jeder Sozialverein das Sub. Das Schwulenzentrum der Stadt weiß zu feiern, wie die Abendberatung vergangenen Donnerstag bewiesen haben. Mit 150 Gästen feierten sie gemeinsam ihren 20. Geburtstag im Saal des Münchner Stadtmuseums.
Moderator Peter Jungblut, die Redner und die Gäste haben den 23. Oktober zu einem unvergesslichen Abend gemacht. Jungblut führte wie gewohnt souverän-schlagfertig durch den offiziellen Teil des Abends ("Sicher waren wir damals alle Bewegungsschwestern, aber ich hatte auch Sex"), der mit Dankesreden begann, im Auftritt der Wellküren seinen Höhepunkt fand und mit einem inspirierenden Vortrag zweier Abendberater endete. Danach gab's Party mit Buffet. Bis früh in den Morgen haben alte und junge Weggefährten mit ihrer Abendberatung ein Jubiläum gefeiert, zu dem die meisten sicherlich selbst viel beigetragen haben. Ihnen allen, insbesondere allen ehrenamtlichen Mitarbeitern, gebührt an dieser Stelle unser Dank!
Gedankt haben ihnen an diesem Abend in der Tat alle Redner, die im Laufe der kommenden Stunden in dem altehrwürdigen Bau auf die Bühne treten sollten: Sub-Vorstand Uwe Hagenberg, von der AIDS-Hilfe Christopher Knoll, Manfred Edinger, vor 20 Jahren Mitbegründer der ehrenamtlichen Abendberatung, Friedrich Graffe, Sozialreferent der Stadt München, und natürlich Thomas Niederbühl, Stadtrat der Rosa Liste. Und sie alle haben dem Publikum auch ein paar Gedanken mit auf den Weg gegeben, die sich der eine oder andere - wie sich später beim Gespräch am Buffet zeigte - durchaus zu Herzen genommen hat. So hat sich Manfred Edinger gefragt, warum wir Schwulen in Zeiten der Anerkennung die Verhaltensmuster heterosexueller Männer, i.e. die Konkurrenz um Sex, Geld und Aussehen, einfach kopieren statt eigene Wege zu gehen. Thomas Niederbühl hat aufgezeigt, inwieweit der Wunsch nach Normalität die Buntheit der Szene gefährdet, und Christopher Knoll hat begründet, warum nach 20 Jahren auch heute noch Beratung für schwule Männer Not tut. Denn Schwulsein, das hat auch die Präsentation der beiden Abendberater Andreas Unterforsthuber und Sebastian Kempf gezeigt, muss keineswegs nur "sexy" sein. Viele leiden unter dem Druck, jung, erfolgreich, wohlhabend und offen zu sein. Viele beklagen Ausgrenzung und Einsamkeit. Die Abendberatung leistet hier seit Jahrzehnten gute Arbeit. Bei all der - wenn auch charmant vorgetragenen Nachdenklichkeit - war die Volksmusik der Wellküren zwischen den Vorträgen ein Segen. Den drei Schwestern Moni, Burgi und Bärbi aus Oberschweinbach ist nichts heilig und so haben auch die amüsierten Gäste den einen oder anderen Spruch kassiert. Zum Schluss haben sie die Abendberater Klaus Pauli und Andreas Unterforsthuber sowie Moderator Peter Jungblut gar als Blumentöpfe missbraucht. Fulminanter Applaus! Und unser Dank für einen wunderbaren Auftritt an alle! Es war ein herrlicher Abend! |