Nach den Erfahrungen mit der Migranten-Kochgruppe hat sich das Schwule Kommunikations- und Kulturzentrum professionelle Hilfe ins Haus geholt. Zusammen mit 47 anderen sozialen Einrichtungen nimmt das Sub am IQE-Projekt der Stadt München teil. Schwule Männer mit Migrationshintergrund haben es nicht leicht. Vorbehalte in der eigenen Familie, aber auch in der etablierten kommerziellen Schwulenszene machen ihnen ein selbstbestimmtes Leben schwer. Das Münchner Schwulenzentrum will diese Männer nicht alleine lassen. "Sie kommen in der Szene oft nicht unter", sagt Sub-Berater und Diplom-Psychologe Sascha Hübner (Bild), der sich im Schwulen Kommunikations- und Kulturzentrum um das Thema kümmert. "Allerdings ist das Sub selbst noch viel zu wenig auf die Bedürfnisse schwuler Migranten eingestellt. Auch wir denken oft noch viel zu deutsch." Schon im Jahr 2007 hatte der Verein ein erstes Migrantenprojekt lanciert. Die interkulturelle Kochgruppe Leckerbissen sollte Männer aus allen Ländern der Welt zusammenführen. Mitgekocht haben aber vor allem Deutsche. "Wir haben zu wenige Migranten erreicht", gibt Sascha Hübner zu, obwohl das Sub Flyer in Asylantenheimen, Ausländerberatungsstellen, Vereinen, Migranten-Treffpunkten und der Gastronomie verteilt hatte. Dort dürften allerdings nur wenige zugegriffen haben. "Die Leute haben oft große Angst davor, als Homosexuelle enttarnt zu werden. Außerdem ist Kochen vielleicht auch eher ein Hobby deutscher Männer." Inzwischen liegt Leckerbissen auf Eis.
Deshalb versucht das Sub jetzt mit einer Umfrage herauszufinden, was schwule Migranten von einem Schwulenzentrum wie dem Sub eigentlich erwarten. "Wir wollen mit den Leuten ins Gespräch kommen – und zwar auf Augenhöhe. Was für das Sub heißt: Erstmal zuhören und dann mitgestalten lassen", so Berater Hübner. "So können wir selbst von den Migranten lernen." Die Erhebung ist Teil der inrkulturellen Fortbildung durch das IQE-Projekt der Landeshauptstadt München. Die Interkulturelle Qualitätsentwicklung in Münchner Sozialregionen (IQE) ist ein auf drei Jahre befristetes Angebot (Januar 2008 bis Dezember 2010), das Fach- und Führungskräfte von derzeit 48 Sozialeinrichtungen interkulturell berät und qualifiziert. Organisationen, die alle Stufen erfolgreich durchlaufen, werden am Ende zertifiziert. "München hat einen Migrantenanteil von knapp 30 Prozent", sagt Berater Hübner. "Darauf müssen wir reagieren, wenn wir nicht ein Drittel aller schwulen Männer in München ausschließen wollen. Schließlich ist das Sub für alle da!" In dem Fragebogen, den das Münchner Schwulenzentrum dieses Mal in zehn verschiedenen Sprachen und vor allem online (www.subonline.org) verbreitet, fragt das Sub ab, welche Angebote sich die Teilnehmer für das Sub wünschen wie Partys, Filmabende, Deutsch- oder andere Sprachkurse (wie zum Beispiel "Türkisch für Schwule") oder spezielle Gruppen fürs Coming-out oder binationale Paare. Natürlich muss sich im Nachgang auch das Auftreten des Schwulenzentrums selbst ändern. "Wir können hier nicht nur Infomaterial oder Broschüren auf deutsch austeilen, oder ausschließlich Kaffee und Tee servieren, wie es hierzulande üblich ist. Und Vorurteile sind sowieso völlig fehl am Platz. Wir wollen schwule Männer mit Migrationshintergrund im Sub willkommen heißen!" |