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Der Glockenbachmaibaum, den das Münchner Schwulenzentrum Sub im vergangenen Jahr unter reger Anteilnahme der Presse am Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz aufgestellt hat, bekommt neue Sprossen. Die neuen Träger aus dem Bezirk Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt haben Künstler aus dem In- und Ausland engagiert, die die Vielfalt des Viertels dokumentieren. 
Er wurde gefällt, bemalt und geklaut, verziert und aufgerichtet, geschändet und restauriert – der Maibaum am Glockenbach hat, obwohl erst ein Jahr jung, eine bewegte Geschichte hinter sich. 2008 hatten die Schwulen im Viertel, namentlich das Schwule Kommunikations- und Kulturzentrum Sub e.V., die Initiative ergriffen und gemeinsam mit der Deutschen Eiche, dem Café Selig und dem Wirtshaus im Fraunhofer im Rahmen eines großen Festes erstmals einen Maibaum am Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz aufgestellt, den Jahr für Jahr andere kulturelle und soziale Einrichtungen des Quartiers mit Bildmotiven ausstatten sollen. Der Baum hat im vergangenen Jahr als "rosa Stangerl" der Schwulen über die Grenzen Deutschlands hinaus von sich reden gemacht. Jetzt wird der Maibaum wirklich bunt: Die neuen Schilder gestalten in diesem Jahr das Nord Süd Forum, die Kinder- und Jugendfreizeitstätte Kunterbunt und das Wirtshaus im Fraunhofer, womit sich der Trägerkreis des Glockenbachmaibaums auf vier Kooperationspartner erweitert. Am 1. Mai werden die Bildtafeln feierlich enthüllt; wieder organisieren die Veranstalter ein traditionelles Maifest fürs ganze Viertel. Tradition, Heimat und Kindheit - die Themen der Künstler "In diesem Jahr steht noch stärker der Integrationsgedanke im Vordergrund", sagt Sub-Vorstand Uwe Hagenberg. Der Maibaum spiegle die Vielfalt des zweiten Stadtbezirks wider. "Das Miteinander der verschiedenen Menschen und Gruppen macht die Lebensqualität der Isarvorstadt aus." Kunterbunt, Nord Süd Forum und Fraunhofer haben eigene Künstler engagiert, die sich zum Teil seit Monaten mit unterschiedlichen Themen befassen. So beschäftigt sich der Holzbildhauer und Restaurator Rainer Maria Strixner, dessen Atelier sich am Westermühlbach in Sichtweite des Maibaums befindet, mit einer alten Institution im Viertel. Seine Bildtafeln gestaltet er für das Wirtshaus im Fraunhofer, dessen Historie bis in 18. Jahrhundert zurückreicht. Mirtha Monge, 1954 in Peru geboren, übernimmt den Auftrag des Nord Süd Forums. Die Malerin, Bildhauerin und Performance-Künstlerin lebt seit 1984 in Deutschland; ihr Thema ist Heimat. "Die Deutschen brauchen unendlich viel Zeit, bis sie einem die Tür öffnen. Aber wenn die Tür dann offen steht, bleibt sie es auch. Man selbst muss aber ebenso offen sein." Für den Glockenbachmaibaum gestaltet sie vier "Straßenschilder", eines widmet sie den Indianerkindern Juri und Miranha, die Naturforscher 1820 nach München verschleppten. Eine weitere Sprosse kommt 2009 vom Kinder- und Jugendhaus Kunterbunt, für das Marion Pfleghar tätig wird. Ihre Entwürfe erinnern die junge Frau an ihre "eigene glückliche Kinderzeit am Glockenbach". Die Arbeiten sämtlicher Künstler enthüllen zwei Maibaumkraxler, die über den alten Tafeln von 2008 in einer spektakulären Kletteraktion die neuen befestigen. Insgesamt sind am Glockenbachmaibaum dann auf sechs Quersprossen 14 verschiedene Künstler-Motive zu sehen. 2010, wenn weitere Bildelemente hinzukommen, wollen die Träger den Baum durch einen neuen ersetzen, der höher ist. Aktuell misst das Stangerl zehn Meter. Maibaumkraxeln mit den Profis vom Hochseilgarten Das Kulturprogramm zum Maifest beginnt um elf Uhr mit der "Aubinger Dorfmusik" und einem Tanzfrühschoppen, den der Volksmusiker Heini Zapf anleitet. Zapf führt durch den Tag – zusammen mit dem Kabarettisten Josef Pretterer. Nach der offiziellen Eröffnung am Mittag spielen "Kein Vorspiel" und "d’Raith-Schwestern" auf. Zwischen Balkan-Brass und dem Jodical "Die Alpenköniginnen" bringen zwei Maibaumkraxler vom Hochseilgarten Aschheim die neuen Bildtafeln an. Der Nachmittag bringt Afro-Folk aus Simbabwe ("Pamuzinda") und schrägen Bayern-Sound ("G.Rag & Die Landlergschwister"). Die Deutsche Eiche, das Café Selig sowie das Wirtshaus im Fraunhofer sorgen für Speis und Trank, bis die Party gegen 19 Uhr endet. Unterstützt wird das Maifest außerdem vom Bezirksausschuss Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt, von der Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen, dem SPD-Bundestagskandidaten Roland Fischer und der Versicherung Thomas & Kollegen. Allen Beteiligten an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön! Das Aufstellen von Maibäumen hat in Bayern eine lange Tradition, die noch immer lebendig ist. Auf dem Land stiftet der Baum Gemeinschaft, seine Sprossen, oft kunstvoll verziert, stehen für den kulturellen Reichtum eines Dorfes. In München, auf dem Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz, hat das Schwule Kommunikations- und Kulturzentrum 2008 erstmals einen Baum aufgestellt. Der Glockenbachmaibaum gilt als Symbol für die Gemeinschaft und das Zusammenleben der Menschen im Viertel, unabhängig von Hautfarbe, Religion, Einkommen und sexueller Orientierung. Programm 11.00 Uhr: "Aubinger Dorfmusik", Tanzfrühschoppen 12:00 Uhr: Kurzansprachen von Alexander Miklosy, Vorsitzender des Bezirksausschusses Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt, Thomas Niederbühl, Stadtrat Rosa Liste, und Roland Fischer, Bundestagskandidat der SPD im Münchner Westen 13.00 Uhr: Balkan-Brass aus Landshut 13.00 bis 15.30 Uhr: Maibaumkraxeln, Enthüllung der Maibaumtafeln 15.00 Uhr: "D'Raith-Schwestern", Auszüge aus dem Jodical "Die Alpenköniginnen" 15.30 Uhr: "Pamuzinda", Afro-Folk aus Simbabwe 16.30 Uhr: "G.Rag & Die Landlergschwister", Landler, Zwiefache, Gstanzln und Country 21.00 Uhr: "People’s Republic of Disco", die offizielle After-Party im Sub, Müllerstraße 43 |