Anti-Gewalt-Projekt nimmt bayernweit die Arbeit auf

Hilfsangebote für schwule, bisexuelle und queere Männer*, die Opfer von Gewalt wurden

Das Anti-Gewalt-Projekt im Sub hat bayernweit seine Arbeit aufgenommen! Homo- und transfeindliche Gewalt in München und in ganz Bayern ist präsenter denn je, wie die traurigen Schlagzeilen des letzten Jahres gezeigt haben. Seit Anfang des Jahres bietet das Sub Online- und Telefonberatung für schwule, bisexuelle und queere Männer*, die Opfer von Gewalt wurden an.

Gewalt und Diskriminierung, die sich gegen schwule, bisexuelle und queere Männer* richtet, ist leider Alltag in Bayern. Seien es Beschimpfungen und Pöbeleien oder gewalttätige Übergriffe; nahezu jeder schwule, bisexuelle und queere Mann* hat seine eigene Geschichte, wenn es um homo- und transfeindliche Situationen geht. Bisher gab es vom Freistaat Bayern keine Gelder für LGBTIQ Projekte. Im Ländervergleich ist Bayern trauriges Schlusslicht, als einziges Land ohne breit angelegtes LGBTIQ Förderprogramm. Mit den Mitteln, die das Bayerische Ministerium für Familie, Arbeit und Soziales jetzt für die Anti-Gewalt-Arbeit zur Verfügung stellt, setzt es ein historisches Zeichen. „Gewalt gegen schwule, bisexuelle und queere Männer* war schon immer ein großes Thema für uns“, so Dr. Kai Kundrath – Geschäftsführer des Sub e.V. „Als sich das Sub 1986 gegründet hat, ging es vor allem darum, all die schwulen Gruppen Münchens unter einem Dach zu vereinen, um sich besser gegen gesellschaftliche Homosexuellenfeindlichkeit positionieren zu können. Die Beratung von schwulen, bisexuellen und queeren Männern*, die Opfer von Gewalt wurden hat schon immer einen zentralen Teil unserer Arbeit dargestellt. Da die Gelder jedoch bisher ausschließlich von der Stadt München kamen, hat sich unser Angebot vor allem auf München und das nähere Umland beschränkt. Durch die Förderung des Freistaats für eine bayernweite Online- und Telefonberatung haben wir jetzt endlich die Möglichkeit für ganz Bayern Anlaufstelle zu sein“, so Dr. Kundrath weiter. Durch die Gelder, die das Ministerium für Arbeit, Familie und Soziales – vorerst für ein Jahr befristet – zur Verfügung stellt, konnte Michael Plaß im November 2019 die Arbeit des Anti-Gewalt-Projekts aufnehmen. Ging es in den ersten zwei Monaten vor allem darum, die Infrastruktur und bayernweite Vernetzung zu initiieren, so kann jetzt die Online- und Telefonberatung starten.

„Es gibt zwei zentrale Handlungsfelder für die bayernweite Anti-Gewalt-Arbeit: Zum einem steht die Beratung und konkrete Hilfeleistung im Vordergrund“, so Michael Plaß. „Beratung für schwule, bisexuelle und queere Männer*, die Opfer von Gewalt wurden, muss klar parteiisch, niedrigschwellig und auf Wunsch anonym angeboten werden. Hier gilt es den besonderen Problemen und Lebenswirklichkeiten unserer Zielgruppe gerecht zu werden. Gerade für schwule, bisexuelle und queere Männer*, die Opfer von Gewalt wurden muss es spezifische Hilfsangebote geben, um der oftmals komplexen Belastungssituation gerecht zu werden“, so Dr. Plaß weiter. Auch 2020 ist es für viele Männer* schwer, sich selbst als Opfer zu sehen und zu zeigen. Das Paradigma des starken Mannes scheint gesellschaftlich immer noch tief verwurzelt zu sein. Für schwule, bisexuelle und queere Männer*, die Opfer von Gewalt wurden, kommt häufig noch eine doppelte Belastung hinzu. Wir wachsen alle in einer Gesellschaft auf, in der Heterosexualität als normal gilt. Schwule, bisexuelle und queere Männer* die Opfer von Gewalt wurden haben demnach nicht nur gegen das Paradigma des unverwundbaren Mannes zu kämpfen, sondern entsprechen durch ihre sexuelle Orientierung oder Identität nicht der gesellschaftlichen  Mehrheit. „Der zweite zentrale Aspekt meiner Arbeit, ist die Erhellung der Dunkelziffer von homo- und transfeindlichen Gewalttaten in Bayern”, so Dr. Plaß weiter. „Aufgrund der mangelhaften Statistik und Dokumentation solcher Fälle herrscht von Seiten der Politik oftmals kein wirkliches Problembewusstsein. Gewalt, die sich gegen schwule, bisexuelle und queere Männer* richtet, wird von der Polizei als politisch motivierte Tat erfasst. Somit werden diese Straftaten zusammen mit rassistischen oder antisemitischen Übergriffen aufgenommen. Diese Art der statistischen Erhebung ist viel zu undifferenziert und wird der wirklichen Problemlage nicht gerecht“, so Dr. Plass weiter. „Durch die Aufnahme unserer Arbeit wollen wir eine differenzierte Statistik initiieren, die die tatsächlichen homo- und transfeindlichen Gewalttaten in Bayern besser abbildet“. 

Mehr zu den Angeboten vom Anti-Gewalt-Projekt: agp.subonline.org 

Zur Person Dr. Michael Plaß engagiert sich seit vielen Jahren für die Belange von schwulen, bisexuellen und queeren Männern*. In den letzten 10 Jahren leitete er den Bereich Koordination ehrenamtliches Zentrum und Veranstaltungen des Sub e.V. Durch seine bisherige Tätigkeit konnte sich Dr. Plaß ein breites Netzwerk von LGBTIQ Initiativen und Vereinen aufbauen, das er auch für seine Arbeit im Anti-Gewalt-Projekt nutzen kann. Auch hat er in der Vergangenheit viele Veranstaltungen und Diskussionsrunden zu dem Thema organisiert und angestoßen und wird dieses wichtige und umfangreiche Projekt mit viel Erfahrung und Fachwissen aufbauen.

Gefördert aus den Mitteln:

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