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Glückwunsch zum Dreißigsten!

Das Münchner Schwulenzentrum Sub wird 30 Jahre alt

Mit einem Empfang feierte das Schwule Kommunikations- und Kulturzentrum München sein 30-jähriges Bestehen. Drei Jahrzehnte lang hat sich das Schwulenzentrum für die Interessen Münchens schwuler Männer eingesetzt und im Laufe der Jahre vieles erreicht. Vor Herausforderungen stellen das Sub die Auflösung der Szene im Viertel, die Flüchtlingskrise und die neuen homophoben Strömungen in der Gesellschaft.

Das Sub wird 30 Jahre alt und zieht Bilanz. Drei Jahrzehnte Schwules Kommunikations- und Kulturzentrum, drei Jahrzehnte Schwulenbewegung in München. Es ist eine große Erfolgsgeschichte. Aus Anlass des Jubiläums lud das Sub seine Mitglieder, die ehrenamtlichen Kollegen, Geldgebende und Gäste aus der Politik am 15. September zu einem kleinen Festakt in die Müllerstraße 14 ein. In einem Grußwort hat Oberbürgermeister Dieter Reiter dem Sub die Glückwünsche der Stadt München überbracht. Christopher Knoll, fachlicher Leiter der Sub-Beratungsstelle, hat eine berührende Rede zum Jubiläum gehalten.

"30 Jahre Sub sind ein Grund, stolz zu sein", sagt Sub-Vorstand Henryk Hoefener, der dem fünfköpfigen Führungsgremium des Vereins seit April dieses Jahres angehört. "1986 haben zehn engagierte schwule Männer den Verein gegründet. Heute ist das Sub die zentrale Anlaufstelle für die Belange schwuler Männer in München." Über 100 ehren-, neun hauptamtliche und zwei geringfügig beschäftigte Mitarbeiter sowie rund 330 Mitglieder halten einen Verein am Laufen, der mit der Zeit überaus komplex geworden ist.

Zentrale Rolle in Münchens Community

1986 am 4. September als Zentrum für alle Schwulengruppen der Stadt gegründet, hat sich das Sub längst zum Treffpunkt aller Lesben- und Schwulen, Bi- und Transgender (LGBT)-Gruppen, -Vereine und -Organisationen der Stadt entwickelt, wobei schwule Männer immer die Kernzielgruppe des Zentrums bleiben werden. Das Schwule Kommunikations- und Kulturzentrum Sub setzt sich ein für ein selbstbestimmtes Leben schwuler Männer in München, unabhängig von Alter, Einkommen, Migrationshintergrund und Status. Im Zentrum seiner Arbeit steht der "respektvolle Umgang miteinander" und die "Verwirklichung gelungener sozialer Beziehungen". So steht es im Leitbild des Vereins und so gilt es für alle Zukunft.

Heimat für die Community…

Zum Sub gehören ein Café, etliche Informations- und Serviceeinrichtungen wie der Infodienst, eine Bibliothek, viele Freizeit- und Selbsthilfegruppen, die psychosoziale Beratungsstelle und die HIV-Prävention. Das Sub macht Kultur mit Filmabenden, Lesungen, Vorträgen, Podiumsdiskussionen. Mit dem Umzug 2012 hat das Münchner Schwulenzentrum seine Angebote noch ausgeweitet. In der Müllerstraße 14 fasst das Sub seitdem Kultur, Beratung und Prävention zusammen. Die Beratungsstelle, die bis zuletzt in einem eigenen Gebäude saß, ist Teil des Schwulenzentrums geworden. "Ein Zentrum für alle", heißt es seit dem 26. April 2012. In den großen Räumen sind auf immerhin 524 Quadratmetern für alle neue Angebote, Projekte und Gruppen entstanden. Das Café mit Freischankfläche hat sich zum beliebten Szenetreffpunkt entwickelt. Das Meiste läuft ehrenamtlich.

Allerdings steige der Druck zur Professionalisierung stetig, sagt Kai Kundrath, der das Projekt Prävention im Sub leitet. "Bei all den Aufgaben, die das Sub inzwischen hat." Zuletzt hat der Verein 2009 einen Geschäftsführer bestellt. Christian Schultze entlastet den ehrenamtlich tätigen Vorstand. In der Beratungsstelle arbeiten unter Christopher Knoll und Ulrich Fuchshuber drei fest angestellte Mitarbeiter; Kai Kundrath leitet das Projekt HIV-Prävention, Michael Plaß das Zentrum und die Kulturarbeit. Es gibt eine Verwaltungskraft, den Buchhalter, einen Pressereferenten. Ein Angebot, das seinesgleichen sucht in der Bundesrepublik.

…Vernetzung nach draußen

Das Münchner Sub wirkt aber nicht nur nach innen in die LGBT-Community hinein. Mit dem Rosenmontagsball, der Magic Bar Tour, der Langen Nacht der Musik, dem International Day against, Homo-, Inter- and Transphobia IDAHIT, dem CSD und dem Hans-Sachs-Straßenfest - um nur einige Veranstaltungen zu nennen - sucht das Schwulenzentrum die Auseinandersetzung, den Austausch mit seinen Nachbarn und der breiten Öffentlichkeit. Der direkte Kontakt baut Vorurteile ab und fördert gegenseitige Akzeptanz: Vieles hat das Sub in den vergangenen Jahren erreicht, wenn es um die Sensibilisierung für sexuelle Minderheiten in München geht. Die Beratungsstelle beispielsweise lehrt - zusammen mit der Lesbenberatung LeTRa - mit dem Paket „Grundwissen Homosexualität“ sozialen Einrichtungen den Umgang mit dem Thema; auch Münchens Standesbeamte sind vor einigen Jahren durch die Sub-Schule gegangen.

Trotzdem bleibt noch viel zu tun: Und dabei sind die ausstehende Gleichstellung mit der Ehe und das fehlende Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare noch die kleinsten Übel. Ein Coming-out ist auch heute noch für die meisten Betroffenen problematisch – vor allem für Jugendliche. Eine jüngere Studie der Landeshauptstadt zeigt, dass die meisten minderjährigen Homosexuellen in München mit Vorurteilen, Diskriminierung und Benachteiligung zu kämpfen haben, auch mit Gewalt. Vor allem in den Schulen herrsche ein Klima der Angst. Älteren Erhebungen zufolge ist die Suizidrate unter jugendlichen Lesben und Schwulen viermal höher als bei Heterosexuellen gleichen Alters. Die Sub-Beratungsstelle engagiert sich deshalb speziell auch in der Jugendarbeit. 

Altwerden ist für schwule Männer gleichfalls nicht einfach. Sie brauchen eine gute soziale Infrastruktur, die der Einsamkeit im Alter vorbeugt. In Seniorenheimen begegnen Mitbewohner und Pflegekräfte Homosexuellen außerdem nach wie vor mit Vorbehalten. Seit 2002 unterstützt daher die Selbsthilfegruppe Gay & Gray im Sub ältere schwule Männer in der Szene; mit dem Patenprojekt besteht seit 2005 zudem ein Besuchs- und Begleitdienst für Senioren. 

Herausforderungen für die Zukunft: gleichzeitige Akzeptanz und Ausgrenzung

Mit der zunehmenden Sichtbarkeit und Akzeptanz von Lesben und Schwulen, Bisexuellen und Transgender ist in den vergangenen Jahren auch die Ablehnung "nicht-traditioneller Lebensweisen" vom Rande der Gesellschaft her gestiegen. In ganz Europa machen Rechtspopulisten und religiöse Fundamentalisten gegen sexuelle Minderheiten mobil, Homo- und Transphobie werden wieder salonfähig. So hat es - ganz konkret - Münchens LGBT-Community gerade am Gärtnerplatz verstärkt mit Übergriffen zu tun, dem ureigenen Szenequartier. Das Sub hat deshalb schon 2010 das Aktionsbündnis gegen Schwulen-, Lesben- und Transfeindlichkeit ins Leben gerufen. Es knüpft an die Arbeit des Anti-Gewalt-Projektes an, das es seit 1993 gibt. Das Anti-Gewalt-Projekt, erstes hauptamtlich geleitetes Projekt des Vereins vor dem Projekt Prävention (1995), registriert Gewalt gegen Schwule und hilft den Opfern, die Folgen zu verarbeiten. Aus ihm hat sich 1997 die Beratungsstelle entwickelt.

Diese Umstände treffen die schwul-lesbische Gemeinde besonders hart in einer Zeit, da sich die Strukturen im eigenen Viertel aufzulösen drohen. Das Internet macht insbesondere für junge Lesben und Schwule Treffpunkte obsolet. Der Zuzug Besserverdienender (Gentrifizierung) erschwert die Existenz subkultureller Einrichtungen zusätzlich, weil der kommerzielle Druck steigt. Hinzu kam innerhalb der schwul-lesbischen Gemeinde lange Zeit eine Tendenz zur Entsolidarisierung und Entpolitisierung, sagt der Psychotherapeut Manfred Edinger, der als Mitbegründer, ehemaliger Vorstand und langjähriger Mitarbeiter der Sub-Beratungsstelle die Geschicke des Münchner Schwulenzentrums über 20 Jahre mitbestimmt hat. "Schwule und Lesben wollen heute vor allem normal sein, keine Opfer mehr, sondern integriert. Dafür akzeptieren sie die Regeln der heterosexuellen Mehrheitsgesellschaft, der sie nacheifern. In dieser konkurrieren sie um Karriere, Aussehen, Spaß und Sex."

Gemeinsam gegen Rechts

Das immerhin hat sich mit der aktuellen politischen Lage wieder geändert. Gegen dezidiert homophobe Bewegungen wie Pegida, die AfD, Besorgte Eltern und Demo für alle gehen immer mehr Lesben, Schwule und Transgender vereint und gemeinsam mit anderen Menschenrechtsaktivist*innen auf die Straße. Übrigens geschieht das nicht nur in Deutschland, auch in Münchens Partnerstadt Kyiw setzt sich das Sub mit der ganzen Münchner Community für LGBT-Rechte ein. Gleichzeitig engagieren sie sich in der Flüchtlingspolitik zuhause. Für die Aktivitäten in Kyiw und die Flüchtlingsarbeit hat das Sub vor zwei Jahren eigens seine Satzung geändert.

Nach dem großen Zustrom von Flüchtlingen im Sommer 2015 hat das Münchner Schwulenzentrum auf Initiative einiger seiner Mitglieder eine Flüchtlingsgruppe gegründet, Refuge@Sub. Sie kümmert sich um die Integration schwuler Geflüchteter aus aller Welt. Refuge@Sub hat dafür eigens ein Patenprogramm eingerichtet und neben dem bereits existierenden Deutsch-Konversationskurs, den LeTRA und Sub gemeinsam anbieten, auch einen Sprachkurs für Anfänger ins Leben gerufen. Alle Angebote werden fleißig genutzt. Demnächst soll für LGBT-Flüchtlinge eigener Wohnraum entstehen. So gesehen bringen die neuen Herausforderungen auch Chancen. Das Sub nimmt nicht nur als Sprachrohr der Münchner LGBT-Community eine zentrale Rolle ein, der Verein gestaltet Politik vor Ort aktiv mit.

"Die Stadt weiß die Arbeit des Sub zu schätzen", sagt Andreas Unterforsthuber, der als Leiter der Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen für die Stadt spricht. Das Sozialreferat, genauer: das Stadtjugendamt, fördert den Verein seit Jahren. Unterforsthuber bedankt sich ausdrücklich bei den Mitgliedern, Mitarbeitern, Freunden und Förderern des Vereins. "Sie alle haben das Sub zu einer Institution gemacht, nicht nur der Münchner Schwulenszene, sondern des urbanen, sozialen und kulturellen Lebens unserer Stadt insgesamt. Das Sub ist eine Bereicherung für München."