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Ausstellung: "Entschleunigung der Wirklichkeit"

Florian Sellmeier fasziniert es, Bilder zu machen, die jeder von uns wahrnehmen und sehen könnte. Nur dass er sie genau dann festhält, ehe sich das Gesehene verflüchtigt. Vom 4. bis 30. November hängt die sechs Bilder umfassende Ausstellung „Entschleunigung der Wirklichkeit“ im Sub. Zu sehen ist sie sonntags bis freitags in der Müllerstraße 14 ab 19 Uhr, samstags sogar schon ab 15 Uhr. Zur Vernissage am 4. November um 19 Uhr kommt der Fotograf persönlich.

"Der flüchtige Moment hat mich seit jeher fasziniert", sagt Sellmeier. "Er soll ein Ansporn zum Innehalten sein. Das ist in unserer Szene wichtig, aber auch für unsere Gesellschaft an sich. Wir leben in einer Welt des Konsums, voller Hektik. Ich mache in erster Linie ästhetische, ruhige und klare Bilder, die die Leute runterbringen können." Er findet, sie passen gut ins neue Sub.

Mit seinen Fotos wirft Sellmeier einen romantischen, fast zärtlichen Blick auf Alltägliches: auf Straßen, Sportplätze, Hochhäuser, U-Bahnen. In seinen Fotografien aber erscheinen sie wie Stillleben, Momentaufnahmen voller Ruhe, dem Lauf des Alltags entrückt.

Dabei experimentiert der Künstler im Zusammenspiel von Belichtungszeit, Blende und Schärfe. Glatte Bilder interessieren Florian Sellmeier nicht. "Stereotypen sind fad, ich fotografiere zum Beispiel gerne bei schlechtem Licht oder scheinbar Hässliches wie eine Betonbrücke, eine Autobahn im Nebel. All das hat doch im Vergleich zu den ach so schönen Dingen, ich meine diese Mainstream-Ästhetik, in seiner Härte und Ehrlichkeit etwas Anrührendes." Diesen Blick wolle er den Gästen im Sub vermitteln; sie sollen ihre eigene Sicht der Dinge entwickeln.

Ein sehr guter Freund entdeckt zurzeit seine Transsexualität

Sellmeier interessiert sich seit frühester Kindheit fürs Fotografieren. Als Kind macht er mit dem Knipsomat seiner Eltern die ersten Schnappschüsse. Mit zehn spart er auf eine Rollei-Spiegelreflex. 2004 entdeckt der Münchner die Vorzüge der Digitalfotografie, die Raum fürs Experimentieren schafft. Vorbilder hat er wenige. Wenn er Portraits mache, inspiriere ihn Nan Goldin; bei Architekturfotografie verweist Sellmeier auf Bernd und Hilla Becher. Florian Sellmeier bezeichnet sich selbst als links-alternativer Schwuler, der sich für Politik, soziale Gerechtigkeit, Geschichte und, ja, Vegetarismus interessiert. Neuerdings beschäftigt ihn noch ein anderes Thema: Ein sehr guter Freund entdeckt zurzeit seine Transsexualität.