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Der Welt-Aids-Tag im Sub

Gauweilereien in München

Wir erinnern uns an schwere Zeiten. Am Sonntag, 30. November, lädt das Sub anlässlich des Welt-Aids-Tages um 17 Uhr zur Filmvorführung "Projektionen auf die Krise (Gauweilereien in München)" von Philipp Gufler. Darin blickt der Künstler zurück auf die 80er Jahre, einer Zeit, in der Münchens repressive Politik gegen Homosexuelle einen Höhepunkt erreichte.

Seit das HI-Virus Anfang der 80er Jahre auch nach Europa kam, sind unzählige Menschen an den Folgen von AIDS gestorben. Jahrzehnte lang war die Medizin der Krankheit gegenüber völlig ohnmächtig; Politik und Gesellschaft reagierten verängstigt, ja panisch. Der Münchner Kreisverwaltungsreferent Peter Gauweiler, der später als Staatssekretär in die Staatskanzlei wechselte, forderte damals Zwangstests; er wollte HIV-Infizierte melden und isolieren, notfalls einsperren. Gauweiler wollte die schwule Infrastruktur in München zerstören, um vermeintliche Infektionsketten zu kappen. Erst 1987 sollte es einer breiten Allianz aus Anti-Strauß-Komitee, Kommunisten, Schwulengruppen, Aids-Hilfe und Grünen gelingen, Gauweiler mit einer öffentlichkeitswirksamen Massendemonstration ("Aktion Wehrt Euch") zu stoppen. Im Ausland weckten die Pläne Bayerns ungute Erinnerungen an die NS-Vergangenheit; die Staatsregierung ruderte zurück. Junge Schwule können sich das heute gar nicht mehr vorstellen. 

Gauweilereien: Debatten um Sexualmoral, Liebe und Tod      

Einen Eindruck von dieser Zeit mit ihren schweren Verwerfungen vermittelt ein Film von Philipp Gufler, den das Münchner Schwulenzentrum aus Anlass des Welt-Aids-Tages am Sonntag, 30. November, um 17 Uhr in der Müllerstraße 14 zeigt. In "Projektionen auf die Krise. Gauweilereien in München" und dem gleichnamigen Künstlerbuch (HMMANN&VON MIER Verlag) blickt Gufler zurück. Die Plakate, Kunstwerke, Zeitungs- und Fernsehausschnitte des Videos offenbaren, dass die Diskussionen über Sexualität und Moral, Liebe und Tod an Aktualität nichts verloren haben.

Im Anschluss an den Film findet eine Diskussion statt mit den Zeitzeugen Guido Vael, der einst die Münchner Aids-Hilfe mitgegründet hat, mit Stefan Zippel und Albert Knoll vom Forum Homosexualität München sowie Philipp Gufler selbst. Die Veranstaltung endet gegen 19 Uhr. Schon ab 16 Uhr lädt das Sub zu einem gemeinsamen Nachmittag mit Tee, Kaffee, Punsch und Gebäck ein.