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Menschenrechtsaktivist*innen aus der Ukraine lernen Ehrenamt!

Vom 16. bis 24. Mai nehmen Gäste von CSD und Münchner Schwulenzentrum an Workshops der Münchner Lesben-, Schwulen- und Trans-Szene teil

Für die Münchner Lesben-, Schwulen-, Bi- und Trans (LGBT)-Community engagieren sich viele Menschen unentgeltlich. Was sie antreibt, wie das Ehrenamt die Arbeit der einzelnen Vereine und Gruppen voranbringt und wie man den ehrenamtlichen Einsatz organisiert, will Münchens Szene sechs Gästen aus der Partnerstadt Kiew und anderen Orten der Ukraine zeigen. Drei Frauen und drei Männer hören zu, debattieren mit, packen an. Yuri Frank von Insight reist zusätzlich auf Einladung der Trans*tagung an.

Münchens Lesben-, Schwulen- und Trans-Gruppen haben sich für ihre Gäste aus der Ukraine ins Zeug gelegt. Eine Woche lang vermitteln in Workshops Vereine wie das Schwulenzentrum Sub, die Lesbenberatung LeTRa, die Münchner Aids-Hilfe, die Trans-Vertretungen Viva TS und TransMann, die lesbische Müttergruppe LesMamas sowie die Lesbenwander- und Bergtruppe Hike Dykes, wie sie das ehrenamtliche Engagement ihrer Mitglieder und Förderer schätzen und nutzen. Auch die städtische Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen ist beteiligt. In der bayerischen Landeshauptstadt gibt es unzählige Organisationen, die sich mit den Anliegen homo-, bi- und transsexueller Menschen in München und Bayern beschäftigen.

"Wir wollen den Neuankömmlingen unsere guten Erfahrungen mitgeben, die wir hier in München über Jahre hinweg mit dem Ehrenamt gemacht haben", sagt Uwe Hagenberg, der die Workshop-Woche für CSD und Schwulenzentrum Sub initiiert hat und begleitet. "Ohne Ehrenamtliche könnten die meisten Vereine ja gar nicht arbeiten. Nicht zuletzt profitieren auch die Ehrenamtlichen selbst davon: Sie lernen dazu, sind stolz auf das Geleistete und fühlen sich zugehörig. So entsteht Heimat."

Uwe Hagenberg ist selbst seit Jahren verdient ehrenamtlich tätig, so als Vorstand für das Schwulenzentrum Sub. Außerdem ist er Mitglied der Kontaktgruppe Munich Kiev Queer, die seit drei Jahren die Zusammenarbeit zwischen den Lesben-, Schwulen- und Trans-Organisationen in München und der Ukraine koordiniert. München und Kiew sind Partnerstädte. Die Workshops, die Hagenberg mit Sibylle von Tiedemann, ebenfalls Munich Kiev Queer, und Taras Karasiichuk von der Kiewer Gay Alliance Ukraine über Wochen hinweg konzipiert hat, wird vom Kulturreferat der Stadt München unterstützt.

Von der Trans*tagung über den IDAHOT zum Erzählcafé - das Programm ist umfangreich

Die Woche beginnt am Samstag, 16. Mai, mit einem Vortrag des LGBT-Aktivisten Yuri Frank von der Menschenrechtsorganisation Insight in Kiew. Er präsentiert in der Münchner Aids-Hilfe die Ergebnisse einer aktuellen Studie über die gesellschaftliche und rechtliche Situation von Transsexuellen in der Ukraine. Frank ist Gast der Münchner Trans*tagung (15. bis 17. Mai); er spricht um 9 Uhr.

Weiter geht es ab 18 Uhr mit einem Begrüßungsessen im Restaurant Moro, bei dem sich die Münchner Szene mit ihren Kiew-Aktivitäten den geladenen Aktivist*innen vorstellt. Anschließend laufen die Ukrainerinnen und Ukrainer, Svitlana Dubyna, Yuri Frank, Anna Leonova, Mykola Maslov, Anna Sharyhina, Oleksandr Vytvitskyi und Olexandr Yankovy beim Demonstrationszug zum International Day against Homophobia and Transphobia IDAHOT mit, auf dem die Münchner Community für Respekt und Akzeptanz gerade auch im eigenen Viertel wirbt. Immer häufiger kommt es dort wieder zu Übergriffen.

Von Sonntag bis Freitag, 17. bis 22. Mai, folgen dann die eigentlichen Workshops. Die Besucherinnen und Besucher aus der Ukraine erfahren Wissenswertes unter anderem zur Geschichte des Szene-Ehrenamts in München, zur Lesben- und Schwulenbewegung in Bayern, zum Ehrenamt in der HIV-Prävention und der szenenahen psychosozialen Beratung. Sie lernen Nützliches zum politischen Engagement der Vereine sowie zu deren Kulturangebot, ihren Selbsthilfe- und Freizeiteinrichtungen. Parallel wird freilich immerzu geBLOGGT- es gibt einen eigenen Workshop dazu, den ein weiterer LGBT-Aktivist aus Kiew, Stanislav Mishchenko, leitet - und natürlich ist auch eine Stadttour mit der Geschichtswerkstatt Forum Homosexualität und Geschichte Teil des Programms. Das tägliche Abendessen der Ukrainer*innen übernimmt das Restaurant Deutsche Eiche. Wir sagen Danke!

Erzählcafé: Schicksale, die berühren!

Ein Höhepunkt der Woche dürfte das Erzählcafé in der Lesbenberatung LeTRa sein. Am Freitag, 22. Mai, sprechen Münchens Gäste in der Angertorstraße 3 ab 19.30 Uhr über ihr Leben, ihr Land, die Situation homo-, bi- und transsexueller Menschen. Sexuelle Minderheiten haben es nicht leicht in der Ukraine: Die Gesellschaft hat Vorurteile; es gibt Ausgrenzung, Mobbing, auch Gewalt. Einer Umfrage der ukrainischen NGO Nash Mir aus dem Jahre 2010 zufolge sind 72 Prozent aller Ukrainer*innen Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender gegenüber negativ eingestellt. Und nach einer Umfrage der Online-Zeitschrift Objective sind 63 Prozent der Ukrainer*innen durchaus dafür, Propaganda für "Homosexualismus" zu unterbinden – also ob gleichgeschlechtliche Liebe eine Ideologie wäre. Ob der Europa-Kurs der neuen Regierung in Kiew die Einstellungen verändern wird, bleibt abzuwarten. Auch darüber wird zu reden sein.

Abschließend geht’s am Samstag, 23. Mai, zum Abschied in den Biergarten. Wir feiern die geleistete Arbeit der vergangenen Woche und sagen "Auf Wiedersehen" und "До побачення!"

Öffentliches Programm

Samstag, 16. Mai 2015, 9.00 Uhr

Vortrag: Trans*Menschen in der Ukraine

Yuri Frank, Trans*Aktivist aus Kiew, gibt Einblick in sein Leben als Trans*Mensch in der Ukraine
und berichtet darüber, wie das Leben dort momentan aussieht in Bezug auf eine soziale, medizinische und rechtliche Transition. Er wird außerdem die Ergebnisse einer Studie über das Leben von Trans*Menschen in der Ukraine präsentieren, die seine Organisation Insight kürzlich abgeschlossen hat. Vortrag auf Russisch mit deutscher Übersetzung.

Münchner Aids-Hilfe, Lindwurmstraße 71, Raum 3.1

Freitag, 22. Mai 2015, 19.30 Uhr

Erzählcafé: LGBT-Aktivist*innen aus der Ukraine berichten aus ihrem Leben

Sexuelle Minderheiten haben es nicht leicht in der Ukraine: Die Gesellschaft hat Vorurteile; es gibt Ausgrenzung, Mobbing, auch Gewalt. Im Café der Lesbenberatung LeTRa erzählen Svitlana Dubyna, Anna Leonova, Mykola Maslov, Anna Sharyhina, Oleksandr Vytvitskyi und Olexandr Yankovy über ihre Schicksale.

LeTRa, Angertorstraße 3