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Gay-Propaganda – Wie schwul ist Batman?

Naomi Lawrence stellt mit Comics Geschlechterrollen in Frage

Vom 14. bis 21. Februar präsentiert Naomi Lawrence im Rahmen der Städtepartnerschaft zwischen Kiew und München in der Galerie Karas (Kiew) und im Münchner Schwulenzentrum Sub (München) die Ausstellung "Gay Propaganda", die zur gleichen Zeit an beiden Orten eröffnet wird. Zur Vernissage am 14. Februar mit Live-Übertragung erwarten die Veranstaltenden die Künstlerin selbst, die Münchner Frauenrockband QueenBaba und Stadträtin Lydia Dietrich.

Wir alle kennen und lieben sie: Batman und Wickie, A-Hörnchen und B-Hörnchen, Lolek und Bolek. Sie waren und sind Helden unserer Kindheit. In ihrer Ausstellung "Gay Propaganda – Wie schwul ist Batman?" setzt die Münchner Künstlerin Naomi Lawrence in Deutschland und in der Ukraine bekannte Comic-Figuren in einen neuen Kontext. Mit viel Humor, kritischen Worten und in überraschenden Szenen hinterfragt sie deren heterosexuelle Orientierung. Denn selbstverständlich liebt Batman Frauen - oder etwa nicht? Und ist Wickie, der schlaue Häuptlingssohn, nicht doch ein Mädchen?

Was ist normal? Was erscheint uns vertraut, was fremd? Naomi Lawrence stellt Geschlechterrollen in Frage. Die Galerie Karas am Kiewer Andreassteig 22a zeigt die Malereien vom 14. bis 21. Februar. Das Münchner Schwulenzentrum Sub stellt die Bilder vom 3. bis 26. Februar in seinen Räumen in der Müllerstraße 14 aus. Eröffnet wird Gay Propaganda offiziell am Valentinstag, Freitag, 14. Februar um 19.30 Uhr in München und um 20.30 Uhr in Kiew mit einer großen Veranstaltung.

Als Veranstalter tritt der CSD München auf - in Kooperation mit dem Sub, der München-Kiew-Kontaktgruppe Munich Kiev Queer und dem KyivPride. Das Kulturreferat der Landeshauptstadt München unterstützt die Ausstellung, die die Verantwortlichen im Rahmen der bestehenden Städtepartnerschaft zwischen Kiew und München präsentieren.

Einen besonderen Auftritt bekommen Figuren wie der Kater Leopold und die Kosaken, die in Osteuropa bis heute viele Fans haben. "Zu jedem Motiv gibt es erstaunliche Geschichten", sagt Künstlerin Lawrence. "A-Hörnchen und B-Hörnchen zum Beispiel waren in Deutschland Frau und Mann, bis Disney das kinderlose Paar zu Brüdern erklärte. Das zeigt, wie willkürlich und eng unsere Rollenzuweisungen sind, die uns prägen und wie spannend es sein kann, die Perspektive zu wechseln, um uns von ihnen frei zu machen."

In Kiew hängen die Bilder von Lawrence in einer Galerie, geschützt von Sicherheitsleuten. Sich mit Geschlechterfragen und sexueller Identität auseinanderzusetzen, kann in der Ukraine gefährlich sein. Wiederholt wurden entsprechende Ausstellungen in der Vergangenheit gestürmt und zerstört. "Es war nicht leicht, eine Galerie zu finden, die für das Thema offen war", sagt Stanislaw Mischtschenko, International Secretary des KyivPride. Er betreut das Projekt von Kiewer Seite aus. "Viele Menschen in der Ukraine haben offensichtlich  Angst davor, sich und ihre Sexualität in Frage zu stellen. Wer das tut, gilt in unserem Land schnell als Feind traditioneller nationaler Werte. Selbst Leute, die nichts gegen Lesben und Schwule haben, reagieren allergisch, wenn sexuelle Minderheiten öffentlich für ihre Belange eintreten."

Mit der Ausstellung "Gay Propaganda" wollen die Veranstaltenden die breite Bevölkerung erreichen, um die Haltung der Gesellschaft insgesamt zu verändern. Speziell in der Ukraine ist Homophobie weit verbreitet. Das nationale Parlament des Landes hat - nach russischem Vorbild - ein Gesetz zum Verbot homosexueller "Propaganda" bereits in erster Lesung verabschiedet. Auch darauf nehmen die Arbeiten von Naomi Lawrence Bezug.

Zur gemeinsamen Eröffnungsfeier in Kiew und in München am 14. Februar um 19.30 Uhr im Sub und um 20.30 Uhr in der Karas-Galerie haben die Organisator*innen ein Programm zusammengestellt, das möglichst viele Menschen anlocken soll. Per Skype übertragen sie beide Vernissagen live und zeitgleich: Die Künstlerin Naomi Lawrence und die Münchner Frauenrockband QueenBaba gestalten das Programm in Kiew. In München ist unter anderem Stadträtin Lydia Dietrich (Bündnis 90/Die Grünen) zu Gast; hinter der Theke steht QueerPass. Es moderieren in Kiew Olena Semenova (New Wave) und DJ Thomas Lechner (Candy Club) in München. Beide Seiten stehen an dem Abend permanent im Dialog; auch die Kiewer und Münchner Lesben-, Schwulen- und Trans-Communitys sollen - live - miteinander ins Gespräch kommen. Mach mit!