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Schwul und trans*? "Lieber einmal mehr sprechen als einmal zu wenig!"

TransMann-Vorstand Christian Schabel-Blessing plädiert für Respekt und Geduld im Miteinander

Trans*- und Cis*-Schwule sind Teil der Community, leben häufig aber immer noch eher neben- statt miteinander. Warum das so ist, haben wir mit dem schwulen Trans*-Mann Christian Schabel-Blessing gesprochen. Der Vorstand von TransMann nimmt am Dienstag, 4. September, an der Debatte im Sub, "Schwul.Trans*. Und Teil der Szene! teil. Ab 19.30 Uhr.

Christian, Du bist ein schwuler Trans*Mann. Aus eigener Erfahrung: Wie schwer war es für Dich persönlich, Dich als Trans*Mann in der schwulen Community einzufinden?

Eigentlich war und ist es überhaupt nicht schwer für mich, denn die meisten meiner Freunde sehen mich als Mann und nicht als Trans*-Mann. Denen fällt das eher wieder ein, wenn ich mich als Vertreter des TransMann e.V. für die Rechte von Trans*-Menschen einsetze.

Fangen wir mal von vorne an: Wie verlief Dein Coming Out?

Mein Coming Out als schwuler Mann war zirka 2005. Damals war ich viel mit meinem besten Freund und Vereinskollegen Henrik unterwegs. Ich war gerade mitten in meiner Transition und kannte mich eher in der lesbischen Szene aus, bevor mir bewusst wurde, dass ich trans* bin. Wir Trans*-Männer waren damals eher noch damit beschäftigt, generell in der schwul-lesbischen Community Fuß zu fassen. Auf vielen Community-Veranstaltungen und in vielen Vereinen war immer nur von Schwulen und Lesben die Rede. Bi-Sexualität war noch bekannter als Trans*.

Was haben die Leute sich darunter vorgestellt?

Wenn man sagte, man ist trans*, wurde das mit Travestie oder fetischliebenden Menschen verwechselt. Ich werde nie vergessen wie wir - Henrik und ich - bei einem Empfang von den Grünen / Rosa Liste im Rathaus mal gefragt wurden: "Ach, Ihr seid die vom TransMann e.V. Seid ihr nicht die, die auf Füße stehen?"

Im Ernst?

Ja. Da haben wir gemerkt, dass sehr viel Unwissenheit besteht und dies nur durch Sichtbarkeit und viel Aufklärungsarbeit geändert werden kann und so sind einige Trans*-Männer aktiv geworden. Wir vom TransMann e.V. sind mit vielen Organisationen ins Gespräch kommen, Kooperationen eingegangen, haben durch unseren Thekendienst im Sub viele schwule Männer erreicht und viele Vorurteile abschaffen und offene Fragen beantworten können. Meiner Meinung nach hat sich die Arbeit der letzten zehn bis 15 Jahre wirklich gelohnt.

Was hast Du persönlich an Vorurteilen oder Ausgrenzung in der Szene erlebt?

Als ich mich nach meinem Coming Out in die schwule Szene getraut habe, war ich froh, dass ich einen schwulen Cis-Freund an meiner Seite hatte. Wir waren immer wieder in verschiedenen Szenelokalen und Partys unterwegs. Wir waren auch gemeinsam im MLC, obwohl ich damals noch keinerlei geschlechtsangleichende Operationen im Genitalbereich hatte. Für alle, die mich kannten, war es völlig ok und sie behandelten mich wie einen von ihnen. Solange die Kleidung an war, gab es wenig Ausgrenzung, eher mal ein prüfender Blick, so nach dem Motto: Wer ist das denn? Über Gayromeo kam dann auch mal ein Blind-Date zustande. Anfangs war alles ok, aber als wir uns etwas näherkamen, und mein Date gemerkt hatte, dass ich nix in der Hose hatte, war das Ganze schnell beendet: 'Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich einen anderen gedatet'. So etwa. Daraufhin habe ich mein Profil bei Gayromeo so geändert, dass gleich dabeistand, dass ich ein Trans*-Mann bin. Danach kamen wiederum viele Sexangebote: "Geil, wollte schon immer mal eine männliche Frau ...".

Und heute?

Seit über zehn Jahren bin ich nun mit meinem Mann Jonas zusammen. Auch er ist ein Trans*-Mann und ebenfalls aktiv in der Trans*- und Schwulen-Szene. Wir beide werden oft nur auf Trans* reduziert, wenn wir in unseren verschiedenen Ehrenämtern unterwegs sind. Privat werden wir in der Münchner Gay-Community einfach nur als schwules Paar gesehen.

Was hörst Du so von anderen, wie ihre Erfahrungen sind?

Ich höre sehr viel Unterschiedliches. Ich kenne Trans*-Männer, die mit Cis-Männern oder anderen Trans*-Männern in glücklichen und auch langjährigen Beziehungen sind. Viele Vereine haben sich in den vergangenen Jahren geöffnet und versuchen, so gut es ihnen möglich ist, Trans*-Menschen zu integrieren. Natürlich können anfangs Fehler passieren, die sich aber in der Regel durch ein Gespräch leicht klären lassen. Schließlich sind wir alle nur Menschen. Und ich höre auch immer wieder, dass Trans*-Männer Ablehnung und sogar Diskriminierung aufgrund ihres Trans*-Sein erfahren. Da ich selber dies in den letzten Jahren nicht erfahren habe, kann ich hierzu nichts sagen.

Geht das Trans*-Frauen, die lesbisch sind, in der Lesben-Community auch so?

Ich kann jetzt nur aus meiner Vergangenheit erzählen, als ich selber noch in der Lesben-Community unterwegs war, also zu der Zeit, als Christian noch lesbisch war. Bei einem Frauenstammtisch kam mal eine Teilnehmerin etwas später dazu und war völlig empört und erzählte sofort: 'Ich hatte ein Date mit einer und wir haben uns im Park getroffen. Als ich dann vor 'ihr' stand, sah ich, dass es ne Transe war. Geht ja mal gar nicht. Der Typ dachte echt, dass ein paar Frauenklamotten und schlechte Schminke aus ihm 'ne Frau machen.' Das Ganze liegt jetzt über 15 Jahre zurück. Heute kenne ich lesbische Paare, die wohl aus Trans*- und Cis-Menschen bestehen, was mich wirklich froh macht. Denn jeder das Recht, seine Sexualität auszuleben.

Wie kannst Du Dir das erklären? Warum haben Cis-Männer Berührungsängste mit Trans*-Männern? Speziell Schwule. Da sollte die Offenheit ja naturgemäß größer sein.

Meiner persönlichen Meinung nach ist es egal, ob wir hier von Cis-Männern/-Frauen oder Trans*-Menschen reden - jeder von ihnen hat erst einmal Angst vor etwas, dass für sie neu oder anders ist. Ich kenne genauso Trans*-Männer, die sich nicht vorstellen können, mit einem anderen Trans*-Mann zusammen zu sein. Viele machen sich erst einmal einen Kopf darüber, was der Freundeskreis bzw. das private, das berufliche Umfeld über den neuen Menschen an der Seite denken könnten, bevor sie sich auf den anderen einlassen.

Was können wir dagegen tun?

(lacht) Wenn ich eine Lösung für ein friedliches, menschliches Miteinander hätte, würde ich es patentieren lassen. Nein, Scherz beiseite. Das Sub zum Beispiel hat durch seine Kooperationen, die Offenheit und seine Angebote gegenüber Trans*-Menschen schon einen guten Schritt gemacht. Natürlich kann es vorkommen, dass auch hier ab und an mal kleine Fehler zum Beispiel bei der Sprache etc. passieren. Das einzige, was mir spontan einfällt, ist Respekt voreinander. Und lieber einmal mehr ins Gespräch kommen als einmal zu wenig

Wie spreche ich denn richtig über und mit Trans*-Personen?

Wie gesagt: Respektvoll ist schon mal ein guter Anfang. Wenn man mit einer Trans*-Person redet, einfach mal fragen, wie sie gerne angesprochen werden möchte. Wenn man über eine Trans*-Person spricht, dann nur, wenn man von ihr weiß, dass sie damit einverstanden ist und dann eben ganz natürlich und respektvoll. Ich empfehle immer: Rede mit und über jemanden so, wie Du es auch gerne hättest, wenn es um Dich selbst geht.

Aber dann klappt ja schon einiges ganz gut in München im Miteinander, jedenfalls besser als früher, oder?

Man merkt auf jeden Fall, dass sich immer mehr dem Thema öffnen oder sich trauen, einfach mal nachzufragen. Das ist der beste Weg zu einem besseren Miteinander. Wichtig ist aber auch, dass von den Trans*-Menschen selber die Bereitschaft kommt, die Fragen, auch wenn das oft dieselben sind, geduldig zu beantworten. Vorurteile, Ängste und Missverständnisse müssen nicht nur von einer Seite abgebaut werden. Beide Seiten sollten ihren Beitrag dazu leisten!

Schwul.Trans*. Und Teil der Szene! Dienstag, 4. September, 19.30 Uhr, im Sub, Müllerstraße 14.