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Der neue Mann fürs Sub

PreP und Schutz durch Therapie stehen zunächst im Fokus

Unsere HIV-Prävention bekommt einen neuen Projektleiter. Jan Geiger will die erfolgreiche Arbeit von Kai fortführen, aber auch eigene Impulse setzen.

Eines weiß Jan schon jetzt: Die Stelle im Sub ist sein Traumjob. Als das Sub den Posten des Projektleiters Prävention im April ausgeschrieben hatte, war dem studierten Sozialarbeiter sofort klar: "Ich muss mich bewerben." Denn die Aufgabe im Sub sei unglaublich vielseitig. "Die Vielfalt der Arbeit ist fantastisch: Von der Vor-Ort-Arbeit auf Partys und in den Szenekneipen bis zu Testangeboten. Vom CSD übers Ehrenamt, von Diskussions- und Infoabenden bis Kunst und Musik - es ist alles dabei. Langweilig wird es sicher nicht!", sagt Jan.

Auf die erfolgreiche Arbeit seines Vorgängers will er aufbauen. Kai Kundrath, seit April Geschäftsführer des Sub, hatte die HIV-Prävention ab 2012 geleitet und das Projekt damals ganz neu aufgestellt, allen voran die ehrenamtliche Präventionstruppe. Sie betreut das Sub gemeinsam mit der Münchner Aids-Hilfe. Als Safety-Aktionsgruppe S’AG hat sie schon 2013 ihren eigenen Auftritt bekommen. Die S’AG ist in der Münchner Schwulenszene regelmäßig mit eigenen Aktionen unterwegs, gerade auf Partys und Events der Community und soll so die jungen Leute erreichen. Die sind eine Risikogruppe: Unter denen, die jünger als 29 Jahre alt sind, steigen seit 2001 in den Großstädten die Infektionsraten wieder an. HIV und Aids haben dank der Therapiemöglichkeiten ihren Schrecken verloren – doch ist die Krankheit bis heute nicht heilbar.

Die HIV-Prävention in Deutschland hat sich verändert

Die Zusammenarbeit mit der Münchner Aids-Hilfe will Jan unbedingt weiterführen. "Never change a winning team." Er wird den kostenlosen Testabend im Sub weiterhin anbieten für HIV und andere sexuelle übertragbare Krankheiten. Sub, Referat für Gesundheit und Umwelt und Münchner Aids-Hilfe bieten ihn monatlich an. Jan möchte aber auch eigene Akzente setzen. "Die HIV-Prävention verändert sich im Moment ganz stark. Von Schutz durch Therapie über den Klassiker Kondom hin zur Präexpositionsprophylaxe PreP. Wie muss eine zeitgemäße Prävention aussehen? Es ist komplizierter geworden, es gibt eben auch andere Safer-Sex-Strategien, die das Kondom ergänzen und Menschen zu Safer Sex befähigen, die dazu vielleicht vorher nicht in der Lage waren."

Bedarf sieht Jan vor allem in der Aufklärung zu PreP und Schutz durch Therapie. "Da herrscht noch große Unsicherheit." Die Präexpositionsprophylaxe erlaubt es Männern, sich gegen das HI-Virus zu schützen, wenn sie regelmäßig entsprechende Medikamente einnehmen. Die PreP ist in Deutschland inzwischen zugelassen. Wer schon infiziert ist, kann immerhin noch seine Umwelt schützen – durch Therapie. Ist nämlich die Viruslast nicht mehr nachweisbar, weil der Patient täglich seine Pillen schluckt, kann er keinen mehr anstecken. All das wird schwulen Sex verändern. Darüber will Jan informieren, auch über den virtuellen Infopool zu HIV/Aids und sexuell übertragbaren Krankheiten, den noch Kai aufgebaut hat

Das Dreisäulenmodell aus S’AG, HIV-Test und Infopool ist in Deutschland einzigartig in der von der Szene getragenen HIV-Prävention. Aufgebaut hatte die Prävention im Sub übrigens schon 1995 der Belgier Guido Vael – und zwar mit Geldern des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Gesundheit, das das Projekt heute noch unterstützt.

Gemeinsam sind wir stark!

Jan freut sich auf die Herausforderung. "Im Sub kommt die Münchner Szene zusammen, und zwar alle Teile. Ich finde es toll, hier in der Keimzelle zu arbeiten, die für alle offen ist und allen Gruppen ein Zuhause bieten will, und von hier aus loszuziehen und den Münchner*innen zu zeigen: Schwuler Sex macht Spaß! Safer Sex auch! Und: Es gibt eine gute Safer-Sex-Strategie für jeden."

Das Projekt Prävention im Sub arbeitet mit der Münchner Aids-Hilfe zusammen, auf kommunaler Ebene außerdem mit der Arbeitsgemeinschaft Aids und der Beratungsstelle zu sexuell übertragbaren Infektionen einschließlich AIDS. Auf Bundesebene tauscht sich das Sub regelmäßig mit den Präventionsprojekten in Berlin, Frankfurt, Hamburg und Köln aus. All diese Kooperationen wird auch Jan weiter pflegen. So beteiligt sich das Projekt Prävention beispielsweise an der bundesweiten Präventionskampagne der Deutschen Aids-Hilfe "Ich weiß, was ich tu" (www.iwwit.de). Ohne gute Kooperation wäre diese Gemeinschaftswerk nie zustande gekommen.