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"K-People" im Landtag

Sub präsentiert Ausstellung über Kiews queeres Leben auf Einladung von Claudia Stamm

Die Grünen laden in der Pride Week am 12. Juli ins Maximilianeum zum Vernetzungstreffen. Thema: "Queer Leben. Gleichberechtigung. Grenzenlos." Im Fokus steht Osteuropa; der Bundestagsabgeordnete Volker Beck hält einen Vortrag. Das Schwulenzentrum zeigt bei der Gelegenheit die Ausstellung "K-People – Queeres Leben in Kiew" mit Portraits von Homo-, Bi- und Transsexuellen aus der Ukraine.

Analog, echt und unverfälscht: "Lomo-Photographie kennt kein Geheimnis", sagt Stanislaw Mischtschenko, LGBT-Aktivist aus Kiew. "Du kannst Dich nicht verstellen." Mischtschenko, in München auch als Mitorganisator des KyivPride bekannt, hat die Lesben-, Schwulen-, Bi- und Transsexuellen-Szene seiner Heimatstadt fotografiert. Seine Ausstellung "K-People – Queeres Leben in Kiew" war im Januar drei Wochen lang im Münchner Schwulenzentrum Sub zu sehen.

Jetzt gastiert "K-People", ergänzt um neue Portraits, während der Pride Week am Abend des 12. Juli ab 19 Uhr im Maximilianeum. Der Künstler Stanislaw Mischtschenko ist selbst vor Ort. Ganz München ist willkommen: Anmeldung unter http://www.gruene-fraktion-bayern.de/termine/queer-leben-gleichberechtigt-grenzenlos

Im bayerischen Landtag lädt Claudia Stamm, Landtagsabgeordnete der Grünen und zugleich Sprecherin für Gleichstellung, zum Vernetzungstreffen. Motto: "Queer Leben. Gleichberechtigung. Grenzenlos". Es geht beispielhaft um die Situation von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender in Osteuropa. Nach der Begrüßung durch Claudia Stamm spricht die Münchner Stadträtin Lydia Dietrich, ebenfalls Grüne, ein Grußwort; sie war im Mai mit einer Delegation aus München beim KyivPride. Wie sehr die Bedrohung für Homo-, Bi- und Transsexuelle in Osteuropa zum Alltag gehört, berichtet der Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck dann im Vortrag. Beck war wiederholt in Moskau, um mit Aktivist*innen vor Ort einen Pride abzuhalten. Er ist geschlagen und verhaftet worden. Die Frage steht im Raum, was all das für Bayerns Politik bedeuten muss.

Freitag, 12. Juli, 19.00 Uhr; Bayerischer Landtag, Max-Planck-Str.1

QUEER LEBEN: GLEICHBERECHTIGUNG. GRENZENLOS Grünes Vernetzungstreffen

19.00 Uhr: Begrüßung durch Claudia Stamm (MdL, Bündnis90/Die Grünen)

19.15 Uhr: Grußwort von Lydia Dietrich (Münchner Stadträtin, Bündnis90/Die Grünen)

19.45 Uhr: "Kampala, Moskau und dahoam: Zur Situation der Menschenrechte von LGBTTI weltweit" - Vortrag zur Lebenssituation von LGBT in Osteuropa von Volker Beck (MdB, Bündnis 90/Die Grünen)

20.15 Uhr: Diskussion mit dem Publikum

21.00 Uhr: Eröffnung der Fotoausstellung 2K-People – Queeres Leben in Kiew" von und mit Stanislaw Mischtschenko

anschließend: Get-together bei Getränken und Häppchen

Musik: Frauenvokalensemble "Miss Stücke"

Die Ausstellung "K-People – Queeres Leben in Kiew", die das Schwule Kommunikations- und Kulturzentrum München im vergangenen Jahr mit dem Künstler konzipiert hat, setzt die Community Kiews in Szene. "Bei uns gibt es keine Lesben- und Schwulengemeinde wie im Westen", sagt Mischtschenko. "Sie ist kaum sichtbar und die Gesellschaft arbeitet intensiv daran, dass wir in unseren Verstecken bleiben – mit Demos, Anti-Schwulengesetzen und Schlägen". Mit seinen Bildern kämpft der Aktivist dagegen. "Ich zeige, dass es uns gibt."

Bilder von Lomo-Kameras - einst als billige Alternative zu regulären Kameras in Russland produziert – haben meist eine mangelhafte Qualität mit Störeffekten, die ein professioneller Fotograf in der Regel vermeidet. Anhänger der Lomographie erhoben diese Fehler jedoch zur Kunst und begründeten so eine neue Stilrichtung. 

Jeder zweite Ukrainer lehnt gleiche Rechte für Homosexuelle ab

Durch die Lomo-Technik entsteht ein ehrlicher Blick auf die Persönlichkeiten, die Mischtschenko ablichtet, mit - wie er sagt - all ihren "Hoffnungen, Ängsten, ihrer Liebe und Traurigkeit. Da geht es in erster Linie um die Menschen, nicht um ihre sexuelle Orientierung."

Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender kennen in der Ukraine keine Normalität; in einer homophoben Gesellschaft stoßen sie auf Vorbehalte, Ablehnung, Gewalt. Jeder zweite Ukrainer lehnt gleiche Rechte für Homosexuelle ab. Immerhin konnten Aktivist*innen in diesem Jahr - unter massivem Polizeischutz - einen Pride durchführen. Ob er die Kehrtwende bringt, ist fraglich.

"K-People" ist auf Anregung der Kontaktgruppe Munich Kiev Queer entstanden, einem von Ehrenamtlichen getragenen Gremium, das die gemeinsamen Aktivitäten der LGBT-Gruppen beider Städte koordiniert. Parallel existiert eine Kooperation zwischen dem KyivPride und dem CSD München. Mischtschenko ist Teil der Kiewer Delegation, die jedes Jahr zum CSD nach München reist. München und Kiew sind Partnerstädte. Die Münchner Regenbogen-Stiftung hat die Ausstellung finanziell unterstützt. Ein besonderer Dank geht an den Grafikdesigner Frank Zuber, der Plakate, Postkarten und Texttafeln zur Veranstaltung entworfen hat.

Vom Künstler signierte Bilder der Ausstellung können für mindestens 25 Euro pro Stück erworben werden, allerdings nicht im Landtag. Wer eine Lomographie-Fotografie kaufen möchte, schreibt an presse@subonline.org oder an conrad@MunichKievQueer.org. Das Geld kommt jeweils zur Hälfte dem Künstler sowie den Projekten des Münchner Schwulenzentrums und damit auch der Kiew-Arbeit der Münchner Szene zu Gute. Die Portraits aus der Ukraine kamen im Januar beim Publikum gut an; mehrere Hundert Euro Einnahmen konnte das Sub verbuchen.