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Kiss-in gegen Homophobie

München demonstriert gegen die Politik Wladimir Putins

München macht Propaganda - und zwar gegen Russlands Propaganda-Gesetze. Am Europaplatz demonstrieren am 8. September ab 15 Uhr nicht nur Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender gegen die menschenverachtende Politik Rußlands. Eine Veranstaltung von Sub und Munich Kiev Queer.

Liebes-Werbung gegen Hass-Propaganda – und niemand kann es verbieten. Münchnerinnen und Münchner - allen voran Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender (LGBT) - wehren sich gegen die homophobe Politik der russischen Regierung. Zum Kiss-in am Europaplatz hinter dem Friedensengel versammeln sich am Sonntag, 8. September, ab 15 Uhr, Hunderte Demonstrant*innen in der Nähe des russischen Generalkonsulates. Die Kundgebung ist Teil der internationalen Aktion "To Russia with Love", mit der an diesem Tag um eben diese Zeit in vielen Städten der Welt Tausende für Menschenrechte auf die Straße gehen.

Das russische Parlament, die Staatsduma, hat im Juni ein Gesetz gegen so genannte Gay Propaganda verabschiedet. Offiziell darf nun niemand mehr positiv über Homosexualität informieren. Das gilt eigentlich immer nur dann, wenn Kinder anwesend sind. Sie soll das Gesetz vermeintlich schützen. Faktisch unterbinden die Behörden damit aber jedwede Information über das Phänomen - weder in den Medien noch in der Öffentlichkeit darf mehr berichtet werden. Übergriffe auf Lesben, Schwule und Transgender häufen sich seitdem; LGBT-Gruppen und -Organisationen können nicht mehr arbeiten. Der russische Staat, der Anfang der 90er Jahre Homosexualität legalisiert hatte, kriminalisiert sexuelle Orientierung und Gender-Identität damit wieder. Die Diskriminierung und Verfolgung Homo-, Bi- und Transsexueller ist salonfähig geworden. München will das nicht hinnehmen.

Ein Fest der Liebe – in Wort, Musik und Tat

"In unserer Partnerstadt Kiew liegt seit einem Jahr ein ähnliches Gesetz im Parlament auf Eis", sagt Barbara Lux von Munich Kiev Queer. Die Gruppe koordiniert die Zusammenarbeit zwischen den LGBT-Gruppen in München und Kiew; Lux hat die Demonstration am Europaplatz organisiert. "Wir müssen verhindern, dass die Ukraine dem russischen Beispiel folgt. LGBT-Rechte sind Menschenrechte und die sind universell; darauf machen wir am 8. September aufmerksam."

Die Veranstalter, das Münchner Schwulenzentrum Sub und die Kontaktgruppe Munich Kiev Queer, haben für den Aktions-Tag ein kleines Kulturprogramm organisiert. Das Thema: Liebe in Wort, Musik und Tat.

Dass sich auch in Rußland Frauen auf der einen und Männer auf der anderen Seite schon immer geliebt haben, beweist Sibylle von Tiedemann auf besonders charmante Weise. Von Tiedemann, wie Lux Mitglied der Kontaktgruppe Munich Kiev Queer, liest aus russischen Kontaktanzeigen und literarischen Texten der Jahrhundertwende. "Homosexualität ist keine Erfindung des Westens", sagt von Tiedemann. "Die Worte dieser Frauen und Männer sind zum Teil sehr berührend. Häufig geht es um unerfüllte Liebe."

Mit Musik geht Maria Maschenka die Sache an. Die Schauspielerin, Sängerin und Moderatorin singt Herrn P. auf der Europaplatz-Bühne ein stürmisches Ständchen. Mit dem Pianisten Michael Gumpinger gibt sie ihr Lied "Druschba" zum Besten, das heißt "Freundschaft". Nach und nach bittet sie Männer und Frauen auf die Bühne, die sie küssen. Herr P. dürfte überrascht sein. Maria Maschenka liegt viel an einer positiven Botschaft: "Visionen und Wünsche bewegen den Geist, die Menschen!"

Ballons steigen, Menschen küssen,

Maria Maschenka ist eine außergewöhnliche Künstlerin, vielseitig und unkonventionell.  Seit 1997 ist Maschenka in der freien Theaterszene für diverse Galas und Veranstaltungen tätig, seit 2000 ist sie - wie Michael Gumpinger -  Ensemblemitglied beim Fastfood-Improvisationstheater. Darüber hinaus präsentiert sie mit der "Maria Maschenka Show" eine eigene Solo-Revue. Wie Sibylle von Tiedemann verzichten Maschenka und Gumpinger der guten Sache wegen auf ein Honorar. Dafür ein herzliches Dankeschön!

Liebe leben – das geschieht schließlich beim Kiss-in, dem Höhepunkt der Veranstaltung am 8. September. Sämtliche Teilnehmerinnen und Teilnehmer lassen gleichzeitig 100 regenbogenfarbene Luftballon steigen, küssen oder umarmen sich. Liebe erobert Himmel und Erde – mit dieser Botschaft schließt die Protestaktion mit den besten Grüßen "to Russia with Love". Herr P. wird es gerne sehen.

Programm "To Russia with Love" – Kundgebung und Kiss-in

Sonntag, 8. September 2013, 15 Uhr bis 16.30 Uhr, Europaplatz

  • ab 15.00 Uhr: Begrüßung mit Ansprachen von Barbara Lux und Thomas Lechner, beide Munich Kiev Queer, sowie Stadträtin Lydia Dietrich mit einem Bericht vom KyivPride 2013
  • Liebe mit Worten "Homosexualität in Selbstzeugnissen" - Sibylle von Tiedemann liest aus russischen Kontaktanzeigen und literarischen Texten der Jahrhundertwende
  • Liebe mit Musik "Druschba" - Maria Maschenka singt Herrn P. (Naomi Lawrence) ein Ständchen. Am Piano: Michael Gumpinger
  • 16.00 Uhr: Liebe erobert Himmel und Erde Ballon-Akt, Kiss-in

Das Programm am Europlatz unterstützen unsere Partner Garry Klein und die Assekuranz Thomas & Kollegen mit Engagement, Technik, Geld, Rat und Tat. Wir danken sehr herzlich!