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Kiss-In großer Erfolg

Lesben, Schwule und Trans demonstrieren gegen Homo- und Transphobie im Viertel

Wir waren dabei. Das Münchner Schwulenzentrum Sub, die Münchner Aids-Hilfe, die Queertreiber und der Bavarian Mr. Leather haben am 17. Mai zum Kiss-In geladen. 75 Leute waren gekommen. Der Demonstrationszug führte ab 22 Uhr mit Polizeibegleitung und diversen Kuss-Stopps von der Thalkirchner Straße/Müllerstraße quer durchs Szeneviertel bis zum Sub in der Müllerstraße 14, wo die Gäste gleich noch die Lange Nacht der Musik erleben konnten.

Schwule, Lesben und Transgender berichten immer wieder von Übergriffen und Pöbeleien in ihrem eigenen Viertel. Das Glockenbachviertel ist längst nicht mehr so schwulen- und lesbenfreundlich wie einst. Den Internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie, auf Englisch IDAHOT abgekürzt, hat die Community deshalb dazu genutzt, um auf das Problem aufmerksam zu machen.

"In der Müllerstraße haben in den vergangenen Jahren immer neue Kneipen aufgemacht, die vor allem Heterosexuelle nutzen", sagt Martin Jautz von der Münchner Aids-Hilfe. Er hat die Idee zum Kiss-In mit Kai Kundrath entwickelt, der im Münchner Schwulenzentrum Sub die HIV-Prävention leitet. Die Organisation des Events hatte die Safety-Aktionsgruppe S’AG übernommen, das Präventionsteam von Aids-Hilfe und Sub.

Von der Thalkirchner Straße aus machte sich der Demonstrationszug nach einer kurzen Ansprache von Christopher Knoll auf in die Müllerstraße. Knoll, Leiter des Anti-Gewalt-Projektes im Sub, warnte: "Toleranz und Akzeptanz für die homosexuellen Gäste im Viertel lassen seit einiger Zeit zu wünschen übrig. Übergriffe häufen sich, von Pöbeleien bis zu Handgreiflichkeiten. Oft merken wir gar nicht mehr, dass das einmal unser Viertel war."

Hinter einer Regenbogenflagge versammelten sich die Protestierenden, um von Lokal zu Lokal zu laufen. An jedem Stopp verteilte die S'AG Give-aways wie die "Homo-Pille" und Aufklärungsmaterial. Mit Sprüchen wie "Gegen Hass", "Küss die Wurst" und "Mir san Family" machte der Zug auf sich aufmerksam. "Eine Müllerstraße für alle" war ein Slogan - für Toleranz und Akzeptanz im Viertel. Der frisch gewählte Bavarian Mr. Leather, Ralf Schaffelhofer, unterstützte die Aktion, ebenso die Queertreiber. Die Queertreiber wehren sich gegen Diskriminierung, Homo- und Trans-Hass. Auch Stadtrat Thomas Niederbühl (Rosa Liste) war mit von der Partie.

Die Lange Nacht der Musik - Zeichen für ein friedvolles Miteinander

Über das Café Glockenbach, die Bar Beverly Kills, in der einst das Sub saß, die Bank und das Ksar ging's ins Sub. An der Hans-Sachs-Straße hatten die ehrenamtlichen Präventionshelfer eine Video-Installation aufgebaut mit lauter Kuss-Szenen. Die Stimmung war feierlich, fast ein wenig gedrückt - Homophobie im eigenen Viertel ist eben kein Anlass zur Freude. Mit vielen Küssen belebten die Protestierenden die einstündige Veranstaltung.

Dass es auch anders geht, zeigt die Lange Nacht der Musik im Sub. Da waren am Abend Hunderte Heterosexuelle zu Gast, um eine oder mehrere der fünf Bands zu hören, die in der Müllerstraße bis tief in die Nacht gespielt haben. Ein hoffnungsfrohes Zeichen für ein friedvolles Miteinander.