Sprachen / Languages

KyivPride aus Sicherheitsgründen abgesagt!

Kiews neuer Bürgermeister Vitali Klitschko äußert Verständnis

Die Polizei will wegen des Bürgerkriegs im Osten der Ukraine den Demonstrationszug der Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender (LGBT) in Münchens Partnerstadt Kiew nicht schützen. Die Veranstalter*innen sagen den "March of Equality" daraufhin ab und machen einen Flashmob.

Die Enttäuschung war groß, als die Veranstalterinnen und Veranstalter am Freitagabend vor die versammelte Menge traten, um den geplanten "March of Equality", den Höhepunkt der KyivPride-Woche, abzusagen. Auch Sicherheitsgründen könne die Polizei die Veranstaltung nicht schützen, hieß es. Im Land herrscht Bürgerkrieg, die Staatsgewalt ist tatsächlich schwach. In der Stadt Kiew kursieren überdies Tausende Waffen, die während der Maidan-Bewegung verschwunden sind. Gewaltbereite Gegner, so die Polizei weiter, hätten angedroht, den für Samstag, 5. Juli, geplanten Marsch, anzugreifen.

Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko bedauert die Absage. Es sei zwar undemokratisch, Bürgerinnen und Bürgern des Landes nicht das Recht auf freie Meinungsäußerung und die Versammlungsfreiheit zu gewähren, aber für die Sicherheitsrisiken habe er Verständnis. Stattdessen haben LGBT-Aktivist*innen am Samstag vor dem Denkmal der Völkerfreundschaft, das der Verbindung zwischen Russland und der Ukraine gewidmet ist, spontan einen Flashmob veranstaltet.

"Die Absage ist bitter, aber vielleicht auch aus Sicherheitsgründen vernünftig", sagt Stadträtin Lydia Dietrich, die in Vertretung des Münchner Oberbürgermeisters Dieter Reiter in Kiew ist. "Wir werden unsere Freund*innen in ihrem Kampf für Menschenrechte weiterhin unterstützen. Die Parade ist abgesagt, das Engagement nicht. Der Weg nach Europa geht auch für die Ukraine nur mit LGBT-Rechten."

Die Veranstalterinnen und Veranstalter des KyivPride haben vom 30. Juni bis 6. Juli ein umfangreiches Rahmenprogramm für die Lesben-, Bisexuellen-, Schwulen- und Trans-Community organisiert mit Empfängen, Lesungen, Debatten, Konzerten und Partys, zu der auch eine Münchner Delegation ihren Teil beigetragen hat. Aus München/Berlin kam die queere Band Tubbe nach Kiew; außerdem beteiligten sich die Frauen der Münchner Delegation an einer Podiumsdiskussion mit dem Titel "Lesbians' Space on a Heteronormative Planet" rund um eine zum Thema passende Ausstellung. Die ganze Woche über haben die Münchnerinnen und Münchner Vertreterinnen und Vertreter der Kiewer LGBT-Organisationen getroffen, aber auch die Heinrich-Böll-Stiftung und die GIZ. Einen Empfang in der Deutschen Botschaft gab es ebenfalls.

Die ukrainische LGBT-Community setzt nach der Revolution auf die Assoziierung des Landes mit der EU. "Die Ukraine muss sich mit einer Aggression von außen auseinandersetzen, die gesellschaftlichen Gruppen werden gegeneinander ausgespielt. Wir halten dagegen", sagt Olena Schewtschenko, stellvertretende Vorsitzende des KyivPride, die auch die LGBT-Organisation Insight in Kiew leitet. "Wir stehen für Frieden und Toleranz, für einen gesellschaftlichen Konsens. Menschenrechte sind für uns ukrainische Bürgerinnen und Bürger kein hohles Wort. Zu den Traditionen des Landes gehört es, für die Freiheit auf die Straße zu gehen." Der Pride-Slogan lautete dieses Jahr denn auch: "Ukraine is united and we are part of it".