Sprachen / Languages

"Die Kirche heißt uns nicht willkommen!"

Offener Brief an die römische Kurie

Die Bischofssynode in Rom hat einmal mehr mit ihrer homophoben Haltung von sich reden gemacht. Christian Schultze, Geschäftsführer im Sub, hatte beim jüngsten Szenestammtisch vorgeschlagen, mit einem offenen Brief an die Verantwortlichen Stellung zu beziehen. Die Kurie hatte ja in ihrem Abschlussdokument sämtliche Inhalte zum Thema Homosexualität gestrichen.

"Sehr geehrter Herr Kardinal Marx", schreibt Christian Schultze in seinem Brief, der in diesen Tagen bei Kardinal Marx, dem Nuntius in Berlin sowie beim Sekretariat des Heiligen Stuhles in Rom angekommen sein dürfte. "Vom 5. bis 19 Oktober 2014 fand im Vatikan die außerordentliche Bischofssynode zum Thema: 'Die pastoralen Herausforderungen der Familie im Rahmen der Evangelisierung' statt. Dieses Treffen von etwa 200 Bischöfen aus aller Welt befasste sich auf Anregung von Papst Franziskus I. unter anderem mit der Frage nach dem Umgang der römisch-katholischen Kirche mit homosexuellen Menschen.

Während der Synode ist ein Entwurf für den Abschlussbericht vorgelegt worden, in welchem diese Frage in durchaus positiver Weise thematisiert wurde. Der Entwurf zeigte, dass der bisherige, diskriminierende Umgang mit Homosexuellen von vielen Bischöfen als nicht mehr zeitgemäß erachtet wird und sie sich ein Nach- und sogar Umdenken wünschen.

In der Münchner Community gibt es viele Homosexuelle, denen ihr Glaube wichtig ist und die sich von ihm getragen fühlen, die sich in der römisch-katholischen Kirche beheimaten möchten und die eine Bereicherung für die Gemeinden sein können. Viele dieser Menschen haben deshalb die Synode in Rom sicherlich mit viel Aufmerksamkeit verfolgt, in der Hoffnung, dass von diesem Treffen ein zukunftsweisender Impuls ausgeht, der sich positiv auf ihre Lebenssituation in ihrem Lebens- und Glaubensumfeld auswirken kann. Vor allem folgende Textpassage hat diese Hoffnung genährt: 'Homosexuelle haben der kirchlichen Gemeinschaft Begabungen und Qualitäten anzubieten. Können wir diese Menschen willkommen heißen und ihnen einen Ort der Brüderlichkeit in unserer Gemeinschaft anbieten?'

Als umso bedauerlicher empfinden es viele Betroffene, dass diese und alle anderen Textstellen, in denen Homosexualität thematisiert wurde, der Endabstimmung zum Opfer gefallen sind, so dass Schwule, Lesben, Bisexuelle, Transmenschen und Intersexuelle keinerlei Beachtung mehr finden. Da das verabschiedete Schlussdokument die Arbeitsgrundlage für die ordentliche Bischofssynode im Jahr 2015 sein soll, müssen die Menschen davon ausgehen, dass sich diese Synode nicht erneut mit dem Thema 'Umgang mit Homosexuellen' befassen wird.

Augen vor den Fragen der Zeit nicht verschließen

Die Menschen stellen nach dem Wegfall der oben zitierten Stelle die berechtigte Frage, ob die römisch-katholische Kirche sie also nicht willkommen heißt und ihnen auch keinen Ort der Geschwisterlichkeit bieten kann, an dem sie als genau die Menschen leben und genau die Menschen sein können, als die Gott sie geschaffen hat, nämlich als Homosexuelle. Auch die Äußerungen von Herrn Kardinal Müller, der den Entwurf als "unwürdig, schändlich, vollkommen falsch" bezeichnete, empfinden viele als erneute Diskriminierung, zumal durch einen der höchsten Würdenträger der römisch-katholischen Kirche.

Eine Gemeinschaft lebt immer vor allem von der Vielfältigkeit der Charismen, mit denen jeder Einzelne beschenkt wurde und vom Mut, sich den Fragen der jeweiligen Zeit zu stellen und nicht die Augen vor diesen Fragen zu verschließen. Dies gilt auch für die römisch-katholische Kirche!

Im Namen aller homosexuellen Menschen, denen ihr Glauben wichtig ist, sowie der hier durch ihr Logo vertretenen Vereine und Organisationen der Münchner Community bitten wir Sie eindringlich, nicht nur über Homosexuelle zu sprechen, sondern den Dialog mit Homosexuellen zu suchen. Damit können Sie ein Zeichen setzen, das dabei hilft, Vorurteilen entgegenwirken, Diskriminierungen zu beseitigen und einen echten Wandel herbeizuführen.

Im Namen aller Vereine und Institutionen, die dieses Schreiben unterstützen

Christian Schultze"

Unterstützer*innen: LeTRa, Münchner Aids-Hilfe, Rosa Liste, SPD AG Lesben und Schwule in der SPD, TransMann, Mittendrin, Verband binationaler Familien und Partnerschaften, FGZ, InTra, VIva TS, AG Schwule Theologie