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Debatte um Selbstverständnis

Das Sub bleibt ein Zentrum für schwule Männer

Die Szene hat sich verändert; das Sub hat sich gewandelt. In unserem Zentrum treffen sich längst nicht mehr nur schwule Männer. Auf Anregung der Mitgliederversammlung 2014 hat sich unser Verein deshalb jüngst mit seinem Selbstverständnis befasst. Wir bleiben ein Verein für schwule Männer und doch heißen wir andere bei uns willkommen! Ein LGBT-Zentrum wird das Sub nicht.

Vor drei Jahren ist das Sub in die Müllerstraße 14 umgezogen. Was ist seitdem passiert? Unser Zentrum nutzen ganze viele Leute aus der Szene; unser Zentrum ist offen für LGBT aus ganz München. Das Sub kooperiert mit den Lesben- und Transvereinen. Das Sub hat inzwischen Mitfrauen und Frauen sind im Sub angestellt. Soweit die Stimmen von der Basis.

"Solche Veränderungen rufen natürlich verschiedene Reaktionen hervor, nämlich Zustimmung und Kritik gleichermaßen, und für beides muss und soll Platz sein", sagt Christian Schultze, der die Geschäfte des Münchner Schwulenzentrums führt. "Darum haben wir die Anregung der Mitgliederversammlung gerne aufgegriffen, einmal einen Nachmittag lang über unser Selbstverständnis zu debattieren, denn der offene Austausch zwischen Mitgliedern, Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen ist ein besonderes Merkmal unseres Vereins. Es ist wichtig, dass möglichst jede Stimme und jede Meinung Raum bekommt."

Wie sind zunächst die Fakten? Die Sub-Beratungsstelle hat ein Angebot für schwule und bisexuelle Männer und Transmänner im Programm. Das Projekt Prävention konzentriert sich auf MSM, also Männer, die (auch) Sex mit Männern haben. Das Sub-Zentrum nutzen 36 Gruppen, davon zwei reine Frauenvereinigungen. 19 Gruppen machen regelmäßige Thekendienst, darunter ist eine rein weiblich. Gleichzeitig stellen sich viele Gruppen nicht mehr rein schwul auf, sondern treten gemischt auf. Unser Verein zählt im Moment 326 Mitglieder, davon sind fünf Frauen. Der Verein hat zur Zeit elf hauptamtliche Mitarbeiter*innen, davon zwei weibliche.

Licht und freundlich und so erfolgreich, dass immer mehr Leute ins Münchner Schwulenzentrum strömen.

Die Moderation hatte Ewald Epping übernommen und so haben wir am 25. April unter dem Arbeitsthema "Wie schwul muss das Sub sein? – Veränderung heißt Herausforderung" Mitglieder, Gäste sowie haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter*innen zu einem Diskussionsnachmittag eingeladen.

In den Gesprächen wurde einerseits deutlich, dass das Sub ein schwuler Verein von schwulen Männern für schwule Männer ist und auch weiterhin schwule Männer als Zielgruppe hat. Der Verein soll und möchte schwule Männer in möglichst vielen Lebenssituationen unterstützen und ihnen einen Schutzraum, einen sozialen Ort und, soweit dies möglich ist, eine emotionale Heimat bieten, also einen Ort, an dem sie so angenommen werden, wie sie sind. Dies ist besonders wichtig für Männer, die aufgrund ihrer Biografie wie zum Beispiel bei Verfolgung durch den Paragraphen 175 und der gesellschaftlichen Umstände früherer Zeiten wie dem einst distanzierten Verhältnis zwischen Schwulen und Lesben auf einen Schutzraum angewiesen waren und immer noch sind.

Interessant war die Erkenntnis, dass die Veränderungen vor allem im Café des Sub sichtbar sind und dass die Frage, wie schwul das Sub sein muss, deshalb fast ausschließlich auf das Café konzentriert ist. Zudem haben wir darüber gesprochen, ob ein Schutzraum durch die bloße Anwesenheit weiblicher Gästen wirklich verloren geht oder ob er nicht vielleicht erst dank der guten Atmosphäre entsteht.

Wir haben in der Diskussion wichtige Thesen festgelegt, die dazu beitragen können, dass alle Gäste, Nutzer, Mitglieder, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sich im Sub zuhause fühlen. Das heißt konkret:

  • Das Sub (hier vor allem das Café) darf nicht zu einem Schickimicki-Hetero-Laden werden.
  • Das Café und das Sub insgesamt dürfen nicht zu einer x-beliebigen Einrichtung verkommen.
  • Das Sub muss auf einen veränderten Community- und Familienbegriff reagieren.
  • Das Sub ist kein LGBT-Zentrum, sondern bleibt im Kern ein Verein von schwulen Männern für schwule Männer.
  • Der Verein muss deutlich machen, dass er zwar in erster Linie schwule Männer anspricht und sie in allen Lebenssituationen unterstützen will. Er heißt aber auch grundsätzlich alle willkommen, die das Sub als Ort verstehen, an dem eine offene und gleichberechtigte Gesellschaft gelebt wird.
  • Das Sub muss als klare Anlaufstelle in einer sich verändernden, zum Teil auflösenden Szene erhalten bleiben.

Insgesamt soll nach außen immer wieder deutlich sichtbar werden, dass wir ein Verein für schwule Männer sind, denen wir all unsere Angebote und all unsere Kompetenz zur Verfügung stellen. Diese Arbeit ist und bleibt Ausdruck unserer Identität als Sub e.V.! Auf der anderen Seite ist es wichtig, eine Willkommenskultur zu pflegen, die zeigt, dass uns jeder und jede willkommen ist. Gerade für die Atmosphäre der Offenheit wird unser Verein von vielen Gästen und Nutzern aus der Community geschätzt und dies macht ebenfalls einen großen Teil unseres Selbstverständnisses aus.

[Christian Schultze]