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Männer leiden anders

Das Sub widmet sich dem Thema Männergesundheit

Burn-out, Krebsvorsorge, Homophobie, Ängste, Sex und Gewalt. Männer sind eigen – jedenfalls, wenn es um ihr Wohlbefinden geht! Und deshalb widmet ihnen das Münchner Schwulenzentrum eine eigene Akademie. Semester für Semester laden wir zu Vortragsreihen und Workshops, die sich den unterschiedlichsten Aspekten des Themas Männergesundheit annehmen.

"Wir haben die Männerakademie gegründet, weil Männer spezifische Gesundheitsthemen haben, denen sie sich viel zu wenig widmen. Wir wollen sie dafür sensibilisieren, die Relevanz der einzelnen Gebiete für sich zu hinterfragen", sagt Christopher Knoll, Leiter der Sub-Beratungsstelle für schwule Männer. Knoll hat die Männerakademie zusammen mit Kai Kundrath, damals Leiter der HIV-Prävention im Sub und heute Geschäftsführer, schon 2013 ins Leben gerufen.

Nach den großen Erfolgen in den vergangenen Wintersemestern lebt die Männerakademie auch in dieser Saison wieder auf. Schwule, Hetero und Trans* diskutieren an sieben Abenden in der Müllerstraße 14 gemeinsam mit Experten. Hochkarätige Referent*innen kommen ins Schwulenzentrum. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung nicht erforderlich. Hier das Programm:

Männerakademie – Wintersemester 2017/2018

Sub, Müllerstraße 14, 80469 München

Dienstag, 12. September 2017, 19.30 Uhr - Der Penis

Referentin: Dr. Suzan Oruc, Burghausen

In unserer männerdominierten, phallozentrischen Gesellschaft bleibt der Penis eigentümlich unsichtbar. Um das zu ändern, bringt uns die Urologin Dr. Suzan Oruc das männliche Geschlechtsteil näher: Sie liefert Geschichtliches, einen kurzen Abriss über die verschiedenen Erkrankungen des Penis, die Anatomie, die Physiologie der Erektion, Potenz und Operationen. Damit neben den vielen Bildern zum Thema, beispielsweise in der zeitgleich laufenden Ausstellung im Sub auch mal eine andere Seite unseres "besten Stücks" gezeigt wird.

Dienstag, 10. Oktober 2017, 19.30 Uhr - Altern schwule Männer anders? Besonderheiten ihrer Beziehungskonstellation und sozialen Netzwerke

Referent: Michael Bochow, Berlin

Verschiedene quantitative und qualitative Erhebungen belegen, dass schwule Männer im so genannten dritten Lebensalter (60 bis 79 Jahre) eine große Vielfalt an Lebensstilen pflegen. Der Soziologe Michael Bochow stellt die Ergebnisse unter anderem seiner Studien vor und geht auf die Faktoren ein, die das psychische Wohlbefinden älterer Schwuler beeinflussen.

Dienstag, 14. November 2017, 19.30 Uhr - Regenbogenväter

Referentin: Stephanie Gerlach, Thorsten Geerken, beide München

Regenbogenfamilien schießen wie Pilze aus dem Boden, der "Gayby-Boom" hält an. Zu 90 Prozent sind sie zwar Mütterfamilien. Doch haben auch Schwule oft den Wunsch, eine Familie zu gründen. Schwulsein mit Kinderwunsch - passt das zusammen? Wie geht das überhaupt, als schwuler Mann ein Kind zu bekommen und eine Familie zu haben? Und wie sieht der Alltag einer Regenbogenfamilie aus? Die Veranstaltung richtet sich an alle, die sich mit den Themen Elternschaft bzw. Familiengründung näher beschäftigen möchten.

Stephanie Gerlach, Autorin und Mitarbeiterin der Fach- und Beratungsstelle Regenbogenfamilien, sowie Co-Moderator Thorsten Geerken, Vater einer Tochter in einer bunten Regenbogenfamilie aus zwei Vätern und zwei Müttern, erzählen aus ihrem Leben.

Dienstag, 12. Dezember 2017, 19.30 Uhr - Queere Männer* braucht das Land! Männlichkeit(en) in der queeren Bewegung

Referent: Muriel Aichberger, München

Aus dem Schimpfwort queer, das wir mit "Perverse Sau" übersetzen müssen, damit die Drastik klar wird, wurde durch Aneignung ein Kampfbegriff. Queer bedeutet, Normen in Frage zu stellen und konsequent auch Abweichendes und Anderssein mitzudenken. "Not gay as in happy, but queer as in fuck you." Der Vortrag widmet sich dem Spannungsfeld von Queer und Männlichkeit. Er analysiert Männlichkeiten theoretisch und wirft Schlaglichter auf Alternativen, wie wir sie aus queeren Bewegungen kennen. Tunten, hypermännliche Lederkerle und Trans*männer, Bären, radical faeries oder queere Punks - Männlichkeit hat viele Gesichter und wir schauen sie uns mit dem Soziologen Muriel Aichberger an.

Dienstag, 9. Januar 2018, 19.30 Uhr - Drogen: Crystal Meth? Na und?!

Referent: Dr. Nils Postel, München

Der Drogengebrauch unter Männern nimmt zu. Wie bei jeder Suchterkrankung kommen Themen wie Abhängigkeit, soziale, körperliche und emotionale Folgeschäden im Bewusstsein der Konsumenten lange nicht vor. Bis es schließlich zur Einsicht kommt, dass man(n) ein massives Problem mit Drogen hat. Doch dann ist nicht selten schon der Job verloren, hat sich der Patient mit Hepatitis C angesteckt, die hirnorganisch bedingte Dauerdepression kaum noch behandelbar und die besten Freunde sind weg. Und dann? Wo gibt's Hilfe? Dr. Nils Postel, Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin, klärt auf. Eine Veranstaltung gegen die Verharmlosung, für mehr Problembewusstsein, Hilfe und Unterstützung!

Dienstag, 20. Februar 2018, 19.30 Uhr - Stigma und Gesundheit

Referent: Joram Ronel, München

Ein Stigma (griechisch für Stich, Wundmal) ist eine unerwünschte Andersheit gegenüber dem, was wir erwartet hätten. Das Mal von Kain, der seinen Bruder tötete, ist wahrscheinlich eines der ersten Zeugnisse für Stigmatisierung in der Geschichte der Menschheit. Stigma von Anfang an und für immer? Stigmatisierung, also die Diskreditierung einer Person wegen eines bestimmten Merkmals wie etwa Homosexualität, ist ein uraltes gesellschaftliches Phänomen, das die eigene Identität beschädigt und - bis heute - auch direkte Folgen für die Gesundheit haben kann. Über die Voodoo-Mechanismen der Moderne berichtet der Psychiater Joram Ronel.

Christopher Knoll führt jeweils durch den Abend.