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Kontaktgruppe Munich Kyiv Queer

Gemeinsam sind wir stärker

Fight for Global Rights – Solidarität kennt keine Grenzen. Im Juli 2012 war das noch eine Absichtserklärung. Aus dem ehemaligen CSD-Motto ist eine lebendige Bewegung geworden. So ist in München und Kyjiw die Kontaktgruppe Munich Kyiv Queer entstanden, die die LSBTI-Communitys der beiden Partnerstädte zusammenbringt. Die Gruppe trifft sich jeden dritten Dienstag im Monat im Sub.

Der CSD 2012 hat alles verändert: Zu betroffen hatten die Schicksale der geladenen Aktivistinnen und Aktivisten aus Kyjiw, Budapest und Split die Münchner gemacht; sie wollten helfen und haben reagiert. Kyjiw ist die Partnerstadt Münchens; vor diesem Hintergrund erschien ein politisches Engagement hier am sinnvollsten.

Seit Sommer 2012 kooperieren die CSD München GmbH und der KyivPride; sie entsenden Delegationen und planen gemeinsame Programmpunkte. Daneben existiert seit Oktober 2012 die Kontaktgruppe Munich Kyiv Queer, die die Zusammenarbeit der LSBTI-Communitys beider Städte koordiniert. Die Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen und das Sub haben sie gemeinsam aus der Taufe gehoben. Unsere Gruppe, die sich immer am dritten Dienstag in der Müllerstraße 14 trifft, besteht aus mehreren ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Frauen wie Männern aus der Community. Um einen festen Kern gruppieren sich zahlreiche Unterstützer, die punktuell zum Team stoßen; wir kommen aus Kyjiw und München. Die Kontaktgruppe nutzt die Infrastruktur des Sub, arbeitet aber eng mit allen anderen Münchner LSBTI-Gruppen zusammen; sie ist eine Schnittstelle. Die Kyjiwer Gruppen wie Fulcrum, Gay Alliance Ukraine, Gay Forum Ukraine, Insight, LIGA, Nash Mir und Tergo sind in den Planungs- und Arbeitsprozess stets eingebunden.

Bedrohlich: Verbot von "Gay Propaganda"

Die Aktivitäten, die wir mit unseren Partnern planen und umsetzen, sind vielfältig. Wichtig ist zum einen der ständige Informationsaustausch zwischen Kyjiw und München, um auch politisch auf dem Laufenden zu bleiben. Bis vor wenigen Jahren noch lag dem ukrainischen Parlament ein Gesetzentwurf zum Verbot so genannter Gay-Propaganda zur Abstimmung vor, das das Haus 2012 schon in erster Lesung passiert hatte. Mit den letzten Parlamentswahlen von 2014 wurde das Gesetz zwar hinfälllig. Doch würde es verabschiedet, könnten die Lesben-, Schwulen und Trans*-Organisationen des Landes, auch die Einrichtungen, die sich um HIV-Prävention kümmern, nicht mehr arbeiten. Immer wieder gibt es entsprechende Vorstöße von Populist*innen. Jegliche Information über Homosexualität würde verboten, mit Haft bestraft. Die Gefahr bleibt; die ukrainische Gesellschaft gilt als homophob, auch wenn inzwischen - mit Annäherung an die EU - ein Antidiskriminierungsgesetz im Arbeitsrecht gilt und sich die Lage insgesamt deutlich entspannt hat.

Mit gemeinsamer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Statements und Aktionen will die Kontaktgruppe politischen Druck aufbauen, um letztlich die Menschrechtssituation für Lesben, Schwule und Trans* in der Ukraine verbessern zu helfen. Kyjiws Bürgermeister zum Beispiel, Vitali Klitschko, will sich dezidiert nicht für Lesben und Schwule einsetzen; das hat er in München gesagt. Wir versuchen gegenzusteuern. In jedem Jahr entsenden wir deshalb eine Delegation, um den Kyjiwer CSD, den KyivPride, zu unterstützen. Seit 2012 konnte er nun schon fünfmal stattfinden: 2016 erstmals im Zentrum der Stadt, 2017 waren sogar Drag Queens dabei, 2018 Lederkerle. Zuletzt liefen 5000 Leute mit und die Polizei schützte die Veranstaltung mit über 2500 Beamt*innen. Die Wende zeichnet sich ab.

Ein wichtiger Bereich der Zusammenarbeit sind Kultur und der fachwissenschaftliche Austausch. Zu einer lebendigen Städtepartnerschaft gehört ein reger interkultureller Austausch, der den Menschen auf der anderen Seite ein Gesicht und eine Stimme gibt. Nur so entsteht aus einer abstrakten politischen Angelegenheit Sympathie und Engagement. Die Kontaktgruppe hat seit ihrer Gründung schon einiges angestoßen: Wir organisieren immer wieder Ausstellungen namhafter Künstler in der Ukraine und in Deutschland, wir laden ukrainische Aktivist*innen zu Polit-, Fach- und Kunstworkshops ein, nehmen an Podiumsdiskussionen und Vorträgen teil, wir machen sogar Sport. Alles, was du wissen musst, steht auf unserer Website. Schau vorbei!

Das Rathaus ist dabei

Die Kyjiw-Arbeit der Münchner Community wird vom Münchner Stadtrat, insbesondere Dominik Krause (Grüne) und Thomas Niederbühl (Rosa Liste) tatkräftig unterstützt; auch Oberbürgermeister Dieter Reiter und die Landtagsabgeordnete Claudia Stamm (Mut) engagieren sich. Munich Kyiv Queer arbeitet mit der städtischen Koordinierungsstelle, dem Büro für Internationale Angelegenheiten der Stadt München und dem Arbeitsforum Ukraine des LMU-Lehrbeauftragten Peter Hilkes zusammen.

Das Engagement der Münchner Lokalpolitik, der Münchner Zivilgesellschaft sowie der Lesben-, Schwulen-, Bi-, Trans*- und Inter*-Gruppen in München für die Kyjiw-Arbeit ist beispiellos. Mit der Kyjiw-Kooperation der Münchner Szene hat die Städtepartnerschaft zwischen München und Kyjiw Schwung von einer anderen Seite bekommen. Die Menschen vor Ort wissen das zu schätzen, sie spüren unsere Solidarität und die gemeinsame Arbeit wird für uns alle lehrreich sein. Und: Sie wird etwas bewegen – in der Ukraine und auch bei uns. Wer sich dafür engagieren will, ist bei uns herzlich willkommen!