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Refugees@Sub

Die Flüchtlingsgruppe im Schwulenzentrum

Münchens schwule Männer kümmern sich um Flüchtlinge. Wir wollen helfen, die Betroffenen nicht allein lassen, sie unterstützen in ihren dunkelsten Stunden.

Als die Flüchtlingswelle im Sommer 2015 München erreichte, fanden sich in der Müllerstraße 14 schnell Männer ein, die helfen wollten. Inzwischen hat sich eine engagierte Gruppe gebildet, Refugees@Sub heißt sie, die mit Öffentlichkeitsarbeit und PR auf die Situation von Flüchtlingen in München aufmerksam macht und Paten für den Alltag stellt. Meist suchen die betroffenen Männer parallel in der Sub-Beratungsstelle Hilfe.

Es gibt eine Website, einen eigenen Facebook-Auftritt. In kürzester Zeit hat die Gruppe außerdem ein Patenprojekt ins Leben gerufen. Das Prinzip kennen viele schon vom Patenprojekt für ältere schwule Männer, das seit 2005 existiert. Ehrenamtliche Helfer begleiten die Menschen bei Behördengängen, im Alltag und Freizeit (Refugees Service Desk). Sie helfen ihnen, in München und seiner Szene Fuß zu fassen. Auch ein Refugees-Café hat die Gruppe eingerichtet, ein zwangloses Treffen für Flüchtlinge im Sub. Das findet immer am ersten Samstag im Monat um 16 Uhr statt.

Einfach ist das alles nicht, weiß Sascha Hübner. Der Psychologe arbeitet für die Beratungsstelle des Sub und leitet die Ehrenamtlergruppe Refugees@Sub fachlich an, wie er auch - gemeinsam mit seinen Kollegen Christopher Knoll und Andreas Görg - generell Flüchtlinge berät und betreut, die zu ihm kommen. "Flüchtlinge haben oft traumatische Erlebnisse hinter sich", sagt er. "Wir sind für sie da, hören ihnen zu und versuchen weiterzuhelfen." Allzu oft stehe allerdings das Asylverfahren selbst im Vordergrund mit seiner unfassbar komplizierten Bürokratie. "Die Paten schulen wir parallel und betreuen sie supervisorisch", sagt der Berater. "Es ist ja nicht einfach für sie, mit dem umzugehen, was unsere Klienten erlebt haben. Aus ihrem Leben kennen sie das meist nicht."

Helfen will gelernt sein

Das Sub ist neben der Lesbenberatungsstelle LeTRa seit Jahren in der Flüchtlingsarbeit für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender in München engagiert - beide Vereine haben dafür eigens ihre Satzungen angepasst, Finanzhilfen geschaffen, spezielle Angebote entwickelt. So bieten LeTRa und Sub seit 2012 Deutschkonversationskurse an, um Menschen mit Migrationshintergrund, die schon etwas länger bei uns sind, in die Münchner Szene einzubinden. Anfängerkurse bietet das Schwulenzentrum inzwischen auch an. "Homosexuell zu sein, ist schon nicht einfach, noch dazu in einer fremden Szene", sagt Melina Meyer, die die Sprachschule zusammen mit Michael Plaß, Leiter der Kulturarbeit im Sub, und Sascha Hübner ins Leben gerufen hat. "Viele trauen sich schlicht nicht, zu akzeptieren, dass es in Deutschland meist überall völlig ok ist, lesbisch, schwul, bi oder trans zu sein", sagt Hübner. Und natürlich gebe es leider auch in der Community selbst gegenüber Ausländern Vorbehalte, vor allem, wenn es sich um Muslime handele.

Das Sub ist für diese Arbeit sogar zertifiziert; schon 2009/2010 hat das Schwule Kommunikations- und Kulturzentrum München ein speziell für die Arbeit mit Migranten aufgelegtes Fortbildungsprogramm der Stadt München absolviert (IQE). Münchens schwule Männer im Sub wollen den Betroffenen Respekt zollen und nach der erfolgreichen Emanzipationsarbeit in Deutschland nun auch etwas zurückgeben an Menschen, die nicht aus unserem Kulturkreis stammen. Und das Sub macht das mit viel Engagement, alle voran seine ehrenamtlichen Helfer. Mentoren für unsere Flüchtlinge suchen wir immer!